Kufstein

„Eine Lehre ist nichts Gefährliches und Giftiges“

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Bezirkswirtschaftskammer Kufstein macht Werbung für Lehrberufe am Bau und fordert von den Lehrern, auf die Eltern einzuwirken.

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Der Platz vor der Kufsteiner Wirtschaftskammer verwandelte sich gestern in eine große Baustelle. Da wurden Ziegelsteine aufgeschlichtet, Rohre verlegt und mit Glasscheiben hantiert, dass es nur so eine Freude war. Aber es handelte sich nicht um einen großen Umbau des Wirtschaftskammergebäudes, sondern um ein Versuchsfeld für Schüler der Volksschulen und Neuen Mittelschulen im Bezirk Kufstein. Die Bezirksstelle der Wirtschaftskammer will damit den Kindern den Bauberuf schmackhaft machen, denn es fehlen die Lehrlinge. Die Werbeaktion stieß auch auf reges Interesse, 500 Schüler sind dafür angemeldet worden.

Warum wollen immer weniger Schüler einen Lehrberuf am Bau ergreifen? Am Verdienst könne es nicht liegen, sagt der Kufsteiner Wirtschaftskammer-GF Peter Wachter, der dies anhand von Zahlen belegen kann. „Ein Lehrling im ersten Jahr verdient 925 Euro, im dritten Jahr 1849 Euro.“ Es sei das schlechte Image der Bauberufe, das den Nachwuchsschwund auslöse, ist man sich bei der Bezirkskammer einig. „Dabei ist es ein Beruf, der kreative Leute braucht, die leistungsfähig sind“, sagt Bezirkskammerobmann Martin Hirner. Außerdem mache die Technik am Bau große Fortschritte, „früher kannte man den Bau mit Schaufel und Pickeln, das ist schon lange nicht mehr so, aber es ist natürlich Handarbeit“, sagt Hirner. Der Fehler beginne für ihn bereits in der Schule: „Es müsste vielmehr darauf geachtet werden, was die Kinder an Talenten mitbringen und sie nicht um jeden Preis durch das Gymnasium durchpeitschen.“

Hier wären besonders die Lehrer gefordert, die „gewissermaßen die Erzieher der Kinder sind“. Auch die Eltern „müssen wir gewinnen und davon überzeugen, dass die Lehre nichts Gefährliches und Giftiges ist“, sagt Hirner. Es gebe zudem später immer noch Möglichkeiten zur Weiterbildung. Andererseits vermutet Hirner aber auch, dass es darum ginge, „die Schulen vollzubringen“.

Pflichtschulinspektorin Margarethe Egger hob den Wert solcher Projekt hervor, „dadurch merken die Eltern, es gibt noch andere Wege“.

Die Erlebniswelt Baustelle wurde erstmals im Bezirk Kufstein veranstaltet. Bislang gab es die Bauakademie Innsbruck, in der in den vergangenen fünf Jahren 20.000 Schüler über die verschiedenen Bauberufe informiert wurden.

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