Oberösterreich

Parteipolitik an Schulen: Umstrittene FPÖ-Meldestelle offline

Gibt man www.parteifreie-schule.at in die Adresszeile seines Browsers ein, wird man auf die Homepage der FPÖ Oberösterreich weitergeleitet.
© fpoe-ooe.at

Die von der FPÖ Oberösterreich ins Leben gerufene Plattform ist „wegen Wartungsarbeiten“ nun schon seit über einer Woche offline.

Linz – Nach wie vor ist die von der FPÖ ins Leben gerufenen Web-Plattform www.parteifreie-schule.at aufgrund von Wartungsarbeiten nicht erreichbar. Bereits vor über einer Woche hatte nachrichten.at erstmals darüber berichtet. Die Seite hatte Schüler dazu aufgerufen, Fälle von „parteipolitischer Beeinflussung an Schulen“ anonym zu melden. Während sich Kritiker des Portals freuen, verwies die FPÖ vergangenen Sonntag darauf, dass die Seite nur wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar sei. Bis jetzt hat sich daran nichts geändert.

„Sie soll wieder online gehen“, sagte Birgitt Thurner, Sprecherin der FPÖ Oberösterreich, vergangene Woche auf Anfrage der APA. Wann das der Fall sein werde, könne sie allerdings nicht sagen. Bisher eingelangte und als relevant betrachtete Meldungen habe man an Juristen übergeben. „Diese werden die Meldungen prüfen und gegebenenfalls an den Landesschulrat weiterleiten.“ FPÖ-Landesgeschäftsführer Erwin Schreiner hatte zuletzt von hunderten E-Mails gesprochen, die man erhalten habe.

Vortrag über Extremismus als Auslöser

Die Seite war von der FPÖ nach dem Abbruch eines Vortrags des Extremismus-Experten Thomas Rammerstorfer an einem Linzer Gymnasium installiert worden. Der FPÖ-Abgeordnete Roman Haider hatte während des Vortrages beim Direktor des Gymnasiums angerufen, nachdem sein Sohn, in dessen Klasse der Experte sprach, ihn über den Inhalt informiert habe. Wie später eine Prüfung des Landesschulrats ergab, sei der Abbruch aber zu Unrecht erfolgt. Ein laufender Unterricht darf „durch Anrufe oder sonstige Interventionen von Dritten“ nicht abgebrochen werden.

Die Online-Meldestelle hatte für breite Kritik gesorgt. Die SPÖ fühlte sich an das Spitzelwesen vergangener schrecklicher Zeiten erinnert. Auch die Grünen sparten nicht mit Kritik und sprachen von einem „Frontalangriff auf die politische Bildung“. Die FPÖ wolle den Schülern ihr Recht nehmen, im Unterricht die Fähigkeit zu einer „reflektierten und selbstbewussten Meinungsbildung“ zu entwickeln.

„Der Verleumdung werden die Tore geöffnet“

Die Österreichische Lehrerinitiative (ÖLI) hatte Anfang Mai in einem offenen Brief Politiker aus der Bundes- und Landesregierung um Hilfe gebeten, damit der Aufruf zum „anonymen Verpetzen“ vom Netz genommen wird. „Mit einer anonymen Anzeigestelle, bei der alles Beliebige behauptet werden kann, werden Erpressung, Nötigung und Verleumdung die Tore geöffnet“, hieß es in dem Schreiben. In einer Aussendung am vergangenen Sonntag bedankte sich die Initiative nun bei allen, die ein Ende der Seite bewirkt hätten - möglicherweise zu früh.

Am vergangenen Donnerstag hatten SPÖ und Grüne im oberösterreichischen Landtag einen Initiativantrag zu dem Thema eingebracht. Darin wird von der Landesregierung eine Klarstellung verlangt, dass der Unterricht nicht durch Interventionen angebrochen werden und Pädagogen den „vollen Schutz der Schulaufsicht erwarten“ dürfen. Weil ÖVP und FPÖ der Dringlichkeit nicht zustimmten, wurde der Antrag dem zuständigen Ausschuss zur Vorberatung zugewiesen. (APA, TT.com)