„Heart of a Dog“ - US-Künstlerin Laurie Anderson wird 70

New York (APA/dpa) - Mit Musik, Performances und Filmen fasziniert Laurie Anderson seit Jahrzehnten. Am kommenden Montag (5. Juni) wird die ...

New York (APA/dpa) - Mit Musik, Performances und Filmen fasziniert Laurie Anderson seit Jahrzehnten. Am kommenden Montag (5. Juni) wird die vielfach preisgekrönte Künstlerin und Witwe des Musikers Lou Reed 70 Jahre alt - und ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Mit Lou Reed war Anderson seit 2008 verheiratet, 2013 starb der Musiker. Auch Andersons Mutter starb damals - ihre Gedanken und Gefühle verarbeitete die Künstlerin schon bald in einem kunstvollen und sehr privaten Bilderrausch, dem gefeierten Film „Heart of a Dog“ (2015). Heuer erhielt Anderson unter anderem den israelischen Wolf-Preis zugesprochen.

Geboren wurde die zierliche Frau, die sich gern mit abstehenden kurzen Haaren zeigt, 1947 in einem Vorort von Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Sie hat drei Schwestern und vier Brüder, mit der Mutter verband sie ein schwieriges Verhältnis. Liebe? „Sie war niemand, der wirklich wusste, wie das geht. Sie hat mir andere Sachen beigebracht. Sie hat mir beigebracht, wie man Bücher und Musik liebt.“

Anderson studierte Kunstgeschichte in Kalifornien und zog in den 70er Jahren nach New York, wo sie Künstler wie den Komponisten Philip Glass kennenlernte und selbst künstlerisch zu experimentieren begann. „Niemand von uns dachte, dass wir jemals mit Kunst unseren Lebensunterhalt verdienen würden.“ Aber Anderson schafft es - mit Musik, Filmen, Performances und Ausstellungen.

Anfang der 90er Jahre lernte Anderson Lou Reed kennen, Sänger von Velvet Underground und berühmt für Songs wie „Walk on the Wild Side“. „Lou ist der wundervollste Mensch, den ich je getroffen habe und ich denke die ganze Zeit an ihn und er inspiriert mich“, sagte Anderson. „Ich vermisse ihn sehr, aber es gibt keinen Grund traurig zu sein. Ich sehe ihn immer, er ist immer hier, eine andauernde kraftvolle Präsenz. Ich wünschte nur, ich könnte hören, was er zu Trump zu sagen hat - da wäre sicher einiges los.“ Anderson sprach sich schon mehrfach gegen den umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump aus.

Reeds Archiv hat Anderson der New Yorker Stadtbibliothek vermacht. „Welch besseren Ort könnte es dafür geben als das Herz der Stadt, die er am meisten liebte?“ Als Witwe sehe sie sich gar nicht, sagt Anderson. „Ich weiß, dass ich das bin, aber es ist nicht meine Identität. Ehemann und Ehefrau waren auch nicht meine Identität, auch wenn wir es waren - eher Partner.“

Aus Reeds Tod habe sie trotz aller Traurigkeit auch Kraft gezogen, sagt Anderson. „Es ist überwältigend. Es füllte mich mit Glück. Darauf war ich nicht vorbereitet - ich sollte doch am Boden zerstört sein. Aber es war wie ein ekstatisches Erlebnis und ist es noch. Es hat meine Welt geöffnet und ich beginne, Dinge auf eine ganz andere Art und Weise zu verstehen.“