Expressives aus der Tiroler Sommerfrische
Es ist schön, wieder einmal der Kunst von Werner Scholz zu begegnen. Noch dazu, da die in der Innsbrucker Galerie Maier gezeigte Auswahl fabelhaft ist.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –In den braunen Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts galt das, was Werner Scholz gemalt hat, als entartet. Was Ausstellungsverbot für den 1898 geborenen, bereits in sehr jungen Jahren erfolgsverwöhnten Berliner bedeutete, der wie seine Zeitgenossen George Grosz und Otto Dix in kräftig expressivem Gestus das prekäre Großstadtleben der Kleinbürger porträtierte. In einem eindrucksvollen Frühwerk, das 1944 leider durch einen Bombenangriff zum größten Teil zerstört worden ist.
In einer Zeit, als Werner Scholz schon seit fünf Jahren in Alpbach gelebt hat. Das er seit seiner Kindheit als Ort unbeschwerter Sommerfrische kannte und das er bis zu seinem Tod 1982 nicht mehr für längere Zeit verlassen sollte.
Eine leise Ahnung der Kunst der ganz frühen Zeit vermitteln in der Ausstellung der Galerie Maier nur die in Öl auf Karton gemalten „Gelben Blüten“. Ein Sujet, das Werner Scholz sehr liebte, lebenslang variierte. Die Farbe spielt in diesen kleinen Pastellen oder auf mäßig großen Leinwänden ausgebreiteten Stillleben die zentrale Rolle. Das eigentliche Motiv wird hier zum bloßen Anlassgeber, um sich im freien Spiel von Linien und Flächen auszutoben.
Denn obwohl Werner Scholz sich in den 50er- und 60er-Jahren mehr und mehr der Abstraktion zuwandte, waren es doch immer Landschaften oder eben Blumen, selten auch Menschen, die ihn zu seinen Bildfindungen inspirierten. Reduziert allerdings zu großen, gern schwarz konturierten Formen, deren farbige Vehemenz ihnen eine bezwingende expressive Wucht verleiht. Wenn weitgehend aufgelöste Formen so raffiniert ineinander verschachtelt sind, dass das eigentliche Motiv nur noch erahnbar ist. Egal, ob es sich dabei um eine groß angelegte Landschaft oder um Schmetterlinge handelt.
Das Ergebnis sind Bilder, die in ihrer Stimmungsträchtigkeit intuitiv berühren, gerade weil sie so viel offenlassen. In seinen späten Jahren wird Werner Scholz realistischer. Besonders wenn der Mensch sein Thema ist, am liebsten seine Frau und die, mit der er – auch – gelebt hat. Etwas flach skizziert, bevorzugt in Pastell, was sie bisweilen leider fast in die Nähe der unfreiwilligen Karikatur rückt.