Segeln

Für den Segel-Traum muss selbst die Matura warten

Der AC45F-Katamaran und ...
© Robert Snow/RB Conetent Pool

Der Tiroler Raphael Hussl segelt in Österreichs Team beim Youth America’s Cup, dem Jugendbewerb der bekanntesten Regatta der Welt.

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –„Wohin uns das Schicksal treibt“ – der Wahlspruch der Bermuda-Inseln steht sinnbildlich für Raphael Hussl, der heute dorthin aufbrechen wird. Eigentlich sollte der Tiroler in den nächsten Tagen den mündlichen Teil seiner Matura an der HTL für Möbeldesign in Imst ablegen. Die schulische Reifeprüfung muss aber bis Herbst warten, eine sportliche steht in den kommenden Wochen bevor: Hussl ist einer von acht Seglern zwischen 18 und 24 Jahren, die Österreich beim Red Bull Youth America’s Cup vertreten – bei der Jugendversion der ältesten und bekanntesten Segelregatta der Welt.

„Es ist ein Traum, dass ich dabei sein darf“, schwärmt der 21-Jährige. Dort, in der Great-Sound-Bay von Bermuda, wo die „Großen“ heuer ihren America’s Cup austragen (Finale ab 17. Juni), wollen auch Hussl und Co. große Töne anschlagen. Noch aber zurückhaltend. „Für alle Teams ist das Boot neu. Das Training damit wurde auch reglementiert“, erklärt der Terfener und freut sich auf die AC45F-Katamarane, die bei den AC World Series 2015 und 2016 im Einsatz waren.

Für gewöhnlich setzt Hussl in einem 49er die Segel. Erfolgreich als Staatsmeister und Teilnehmer der Jugend-WM. Jetzt mutiert er zum so genannten „Floater“, zu jenem Mann, der die „Foils“ (Tragflächen, die den Rumpf bei genügend Tempo über das Wasser heben) heraufkurbelt, um nicht zu viel Luftwiderstand zu erzeugen. „Ich bin fit wie noch nie zuvor“, behauptet der mit 1,86 Metern Größte auf dem Boot Rot-Weiß-Rot.

Seit Ostern 2016 bereiten sich die jungen Männer aus ganz Österreich vor, oft gemeinsam. „Das Wichtigste ist die Kommunikation, dass wir als Team gut zusammenarbeiten“, weiß Hussl. Spaß müsse aber auch sein: „Wir wollen zudem in unseren extra eingepackten Lederhosen eine gute Figur machen.“

... Österreichs Team mit Raphael Hussl (3. v. l.).
© Red Bull Content

Es gilt, gegen Mannschaften aus elf Ländern zu bestehen – darunter auch die Teams USA, Großbritannien oder Neuseeland. Am 12./13. Juni geht es für die zweite Sechser-Gruppe mit Österreichs „Candidate Sailing Team“ in die Qualifikation, die besten vier Teams steigen auf, die Finalserie der Top acht findet am 20. und 21. Juni statt. „Wäre cool, wenn wir da dabei sein könnten“, hofft der Maturant.

Ein Erfolg, der seinem älteren Bruder David beim gleichen Event vor drei Jahren verwehrt geblieben war. „Leider haben wir es nicht durch die Quali geschafft. Schade, dass ich jetzt schon zu alt dafür bin“, bedauert der 25-Jährige, der nach einer Verletzung von 49er-Partner Benjamin Bildstein gerade pausieren muss. Seinem Bruder wünsche er jedenfalls eine tolle Zeit. Er selbst hätte dabei viel gelernt. Verdient habe sich „Raphy“ einen Erfolg allemal, vor allem, weil er neben der Vorbereitung auch die schriftliche Matura bewältigte. Der große Bruder lobt: „Raphael hat in letzter Zeit nur wenig Schlaf bekommen. Ich bewundere ihn dafür, wie er das alles unter einen Hut brachte.“