Nichtrauchertag - Wiener Experte fordert mehr Jugendschutz

Wien (APA) - Rund 11.000 Österreicher sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. „Schon wer eine bis vier Zigaretten pro Tag raucht, verdr...

Wien (APA) - Rund 11.000 Österreicher sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. „Schon wer eine bis vier Zigaretten pro Tag raucht, verdreifacht sein Risiko für Herzinfarkt bzw. Lungenkrebs“, wurde Manfred Neuberger, emeritierter Ordinarius für Umwelthygiene der MedUni Wien, am Dienstag anlässlich des Welt-Nichtrauchertags am 31. Mai in einer Aussendung zitiert. Jugendschutz sei besonders wichtig.

„Der Jugendschutz in Österreich muss verbessert werden“, forderte Neuberger. Denn das Einstiegsalter für den Tabakkonsum sinke. Schon jeder zehnte Zwölfjährige in Österreich hätte bereits einmal geraucht. Ein striktes Automaten- und Werbeverbot - auch in und vor den Trafiken selbst, eine deutliche Erhöhung der Zigarettenpreise, eine striktere Alterskontrolle und das Entfernen von Zigaretten aus dem offiziellen Warenkorb des Verbraucherpreisindex seien notwendig.

Dass viele diese Maßnahmen greifen, zeige sich beispielhaft in Ungarn, stellte der Experte fest. Durch das absolute Verbot von Außenwerbung und durch „plain packaging“, also werbe- und logo-freie Verpackung der Zigaretten (wie es u.a. auch in Australien und Frankreich praktiziert wird), sei der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen auf ein Zehntel der ehemaligen Quote reduziert worden.

Neuberger fügte hinzu: „Aber ganz essenziell wäre ein Verbot der Automaten. Warum soll ein Suchtmittel zu jeder Zeit verfügbar sein?“ Bereits die Hälfte aller Länder in der Europäischen Union hätte Zigarettenautomaten verboten, denn Testkäufe hätten - auch in Österreich - gezeigt, dass sogar mit abgelaufenen Bankomatkarten als „Alterskontrolle“ Zigaretten-Packerl aus dem Automaten erworben werden können. Das Vorbild durch die Eltern zähle ebenso. „Kindern sollte im familiären Raum nicht signalisiert werden, dass Zigaretten leicht verfügbar sind und dass Nikotinkonsum einfach akzeptiert wird“, sagte der Umwelthygieniker.

Für einen verschärften Jugendschutz sprechen die medizinischen Fakten: Etwas häufiger als jede Stunde stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen des Rauchens. Durch Rauchen verursachte Erkrankungen wie Lungenkrebs, COPD (obstruktive Lungenkrankheit), Diabetes oder Herzinfarkt nehmen zu. Neuberger: „Mein bisher jüngster Herzinfarkt-Patient war 18 Jahre alt - er hat 100 Zigaretten am Tag geraucht.“ Bei Kleinkindern, die passiv mit-rauchen, kann die Lungen- und Hirnentwicklung negativ beeinflusst werden, bei Jugendlichen, die in der Pubertät mit dem Rauchen beginnen, sind Wachstumsstörungen (vor allem bei den Burschen) sowie hormonelle Veränderungen (vor allem bei den Mädchen) feststellbar. Und natürlich gilt Nikotin als „Treiber“ für verschiedenste Arten von Krebs.

Neuberger sagte: „In der Prävention und im Jugendschutz liegen wir in Österreich aber leider im internationalen Vergleich ganz schlecht.“ In Großbritannien etwa wird das aus einer viel höheren Tabaksteuer gewonnene Budget - Zigaretten kosten dort bereits, wie auch in Norwegen, über zehn Euro, in Österreich rund fünf Euro - direkt in die Prävention und den Jugendschutz re-investiert. „Österreich nimmt über die Tabaksteuer von Minderjährigen jährlich rund 60 Millionen ein“, sagte der Umwelthygieniker. „Aber für die Prävention wird das nicht eingesetzt.“ Dabei entstehen laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien durch das Rauchen enorme Kosten für Arbeitsausfälle, Gesundheitsausgaben, Invaliditätspensionen, Kranken- und Pflegegeld - Gesamtvolumen: mehr als 750 Millionen Euro jährlich.