Manuela Schwesig - Rasanter Aufstieg der SPD-Hoffnungsträgerin
Berlin (APA/AFP) - Auf Manuela Schwesig ruhen viele Hoffnungen der Sozialdemokraten. Nachdem sie erst 2003 als damals 29-Jährige in die SPD ...
Berlin (APA/AFP) - Auf Manuela Schwesig ruhen viele Hoffnungen der Sozialdemokraten. Nachdem sie erst 2003 als damals 29-Jährige in die SPD eingetreten war, legte sie eine politische Bilderbuchkarriere hin: 2008 Landesministerin, 2009 Vize-Bundesvorsitzende, 2013 deutsche Familienministerin. Jetzt soll die inzwischen 43-jährige SPD-Politikerin Ministerpräsidentin ihres Heimatlandes Mecklenburg-Vorpommern werden.
Den Platz dort räumt der langjährige Landeschef Erwin Sellering für sie. Der 67-Jährige, der an einer Krebserkrankung leidet, kündigte am Dienstag seinen Rücktritt aus Gesundheitsgründen an. Überraschend an dem Wechsel zu Schwesig ist allerdings nur der Termin: Schon länger war erwartet worden, dass sie noch während der laufenden Legislaturperiode des Landtags das Amt übernehmen könnte - allerdings eher erst nach der Bundestagswahl.
Für Schwesig bedeutet dies eine Rückkehr an frühere Wirkungsstätten: Zwar wurde sie 1974 im brandenburgischen Frankfurt/Oder geboren, doch seit dem Jahr 2000 ist Mecklenburg-Vorpommern ihre Wahlheimat. Nach kommunalpolitischem Engagement in Schwerin rückte sie bereits 2005 in den SPD-Landesvorstand auf. 2008 holte Sellering sie als Sozial- und Gesundheitsministerin ins Landeskabinett. Damals war sie mit 34 Jahren Deutschlands jüngste Ministerin.
Schon ein Jahr darauf folgte der nächste Paukenschlag: Als stellvertretende Parteichefin rückte Schwesig auf bundespolitischer Ebene in die vordere Reihe auf. Profil zeigte sie dort im Vermittlungsausschuss, wo sie im Ringen um die Hartz-IV-Reform als Verhandlungsführerin der SPD-geführten Bundesländer auftrat.
Im Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück war sie für das Familienressort und den Aufbau Ost zuständig. Als trotz verlorener Bundestagswahl 2013 die Sozialdemokraten als Juniorpartner der CDU/CSU wieder in eine Große Koalition eintraten, wurde Schwesig Familienministerin. Mit Sätzen wie: „Wir sind nicht zum Kuscheln da“ unterstrich sie damals in den Koalitionsverhandlungen ihren Ruf als harte Verhandlungsführerin.
Zu ihren Kernthemen als Ministerin zählten der Ausbau der Kinderbetreuung, das Elterngeld plus, die Frauenförderung auch durch die umstrittene Frauenquote in Aufsichtsräten, die Gleichstellung unterschiedlicher Familienmodelle auch beim Thema Homo-Ehe sowie zuletzt ihr Vorstoß für Familienarbeitszeit und Familiengeld.
Besonders am Herzen liegt ihr auch der Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. So besuchte Schwesig wiederholt demonstrativ das jährliche Musikfestival gegen Rechts im mecklenburgischen Jamel - um, wie sie sagt, „Flagge zu zeigen“.
In die SPD-Flügelarithmetik lässt sich Schwesig nur schwer zuordnen - auch wenn ihr wegen ihres engagierten Eintretens für soziale Gerechtigkeit und eine moderne Familien- und Gesellschaftspolitik gelegentlich eher eine Nähe zur Parteilinken nachgesagt wird. Als ihr persönliches politisches Vorbild nannte Schwesig einmal die 2001 verstorbene, langjährige brandenburgische Arbeits- und Sozialministerin Regine Hildebrandt.
Vorteilhaft ist für Schwesig die Rückkehr in den hohen Norden auch in privater Hinsicht. Seit ihrer Heirat lebt die gelernte Diplom-Finanzwirtin mit ihrem Ehemann Stefan Schwesig in Schwerin. Dort kam auch 2007 ihr Sohn zur Welt und 2016 dann, während ihrer Amtszeit als Familienministerin, ihre Tochter. Seit 2010 gehört die bis dahin konfessionslose Schwesig der evangelischen Kirche an.
Wie lange Schwesig allerdings auch politisch in Schwerin bleiben wird, gilt als offen. Unwahrscheinlich ist, dass die ehrgeizige SPD-Politikerin damit künftige bundespolitische Ambitionen ad acta gelegt hat.