Jihadisten-Prozess 2 - Angeklagter: „War nicht Mitglied beim IS“
Graz (APA) - Am Nachmittag ist der dritte Angeklagte, ein 49-Jähriger gebürtiger Bosnier, befragt worden. Er gab an, er sei nie Mitglied bei...
Graz (APA) - Am Nachmittag ist der dritte Angeklagte, ein 49-Jähriger gebürtiger Bosnier, befragt worden. Er gab an, er sei nie Mitglied bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gewesen, obwohl er von dort seinen Job, die Wohnung und ein Auto bekommen habe. Im Trainingscamp habe er „gar nichts“ gemacht, und er habe „nicht gewusst, wie das in Syrien ist“, rechtfertigte er sich.
Hasan O. lebte rund 20 Jahre in Österreich und bekam 2005 die Staatsbürgerschaft. Doch 2010 begann er, sich häufig im Taqwa-Glaubensverein in Graz aufzuhalten. Dort sei er „blind gemacht worden“, beschrieb er es vor Gericht. Als Folge davon ging er mit der ganzen Familie samt den drei kleinen Kindern im Dezember 2014 nach Syrien, um sich dort laut Ankläger dem IS anzuschließen.
„Was bringt einen Österreicher dazu, in ein Kriegsgebiet zu gehen?“, fragte der Richter. „Ich wollte mir das anschauen“, antwortete der Angeklagte. Er plante „zehn bis zwölf“ Tage zu bleiben. „Wie ein Urlaub also?“, so der Richter. „Ja, so etwas Ähnliches“. „Verkaufen Sie jedes Mal vor jedem Urlaub Ihr Auto?“, interessierte den beisitzenden Richter, was der Befragte dann verneinte.
„In der Moschee habe ich gehört, in Syrien kann ich nach dem Islam leben, es gibt Freiheit für die Frau und die Kinder“, versuchte er eine neue Erklärung. „Was hat man in der Moschee über Österreich gesagt?“, fragte der Vorsitzende. Der Beschuldigte blieb vage: „So und so“. Dann gab er an, in der Moschee habe man ihm gesagt, die Sozialleistungen solle er nehmen, alles andere müsse er aber ablehnen.
Also machte er sich auf nach Syrien, wo er sofort von der Familie getrennt wurde und in ein Ausbildungslager kam. „Sie werden es nicht glauben, aber ich habe dort gar nichts gemacht“, schilderte er dem Gericht. „Ich habe gesagt, das interessiert mich nicht“, versuchte er zu erklären. „Und die haben gesagt, ist ok?“, wunderte sich der Richter. Immerhin musste er dann den Treueeid leisten, doch als IS-Mitgleid sah er sich nie. „Aber Sie haben vom IS einen Job, eine Wohnung und ein Auto bekommen“, führte der Richter an. „Stimmt, aber ich war nicht Mitglied der Organisation“, verantworte sich der Befragte, der bisher nur das Quälen seiner Kinder durch das Anschauen von grausamen Propaganda-Videos zugegeben hat.
Der Prozess wird morgen, Mittwoch, um 9.00 fortgesetzt. Zunächst soll ein Belastungszeuge per Video aus Bosnien zugeschaltet werden, am Nachmittag gehen die Beschuldigtenbefragungen weiter.