US-Künstler Charles Simonds errichtet Minihäuschen in München

München (APA/dpa) - Eine Heimat für winzige Leute: Der New Yorker Künstler Charles Simonds wird in den kommenden Wochen in München einige se...

München (APA/dpa) - Eine Heimat für winzige Leute: Der New Yorker Künstler Charles Simonds wird in den kommenden Wochen in München einige seiner Dwellings errichten - Mini-Häuschen aus rotem Ton. An Schaufenstern, auf Fensterbrettern oder Mauervorsprüngen, überall können sie auftauchen, bevölkert von einer Zivilisation, die allein in der Vorstellungswelt existiert.

Mit seiner Kunst will Simonds seit mehr als 40 Jahren die Leute anregen, sich Gedanken zu machen und ins Gespräch zu kommen, etwa über Heimat oder Gemeinschaft. Wer will, kann die fertigen Häuser auch verändern. „Ich will nur ein Zuhause für die kleinen Leute machen“, sagte Simonds am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts in München. „Danach geschieht, was immer auch passiert.“

Eines seiner Dwellings hatte Simonds auf Einladung des Lenbachhauses und des Münchner Kulturreferats vor kurzem schon aufgestellt. Wenige Tage später war das mit Sand, Steinchen und Weidenstöckchen verzierte Werk aber verschwunden, geklaut. Für Simonds ein moralisches Problem. Seine Kunst habe nichts mit Geld zu tun, sie sei ein gemeinschaftliches Gut, das allen gehöre. „Es gibt die Möglichkeit, dass es jemand nimmt, aber damit stiehlt er es allen anderen“, meinte der Künstler, der 1945 in New York geboren wurde und seit 1970 seine Dwellings in aller Welt errichtet hat, in Paris, Shanghai oder London ebenso wie in Genua. Sein nächstes Ziel sei ein Dorf in Südindien.

Dass sein Werk auch eine politische Komponente hat, glaubt der Künstler nicht, auch wenn er in der Lower Eastside in New York mit seinen Häuschen zur politischen Figur wurde und sich deshalb auch für bessere Lebensbedingungen einsetzte, wie er erzählte. Die Menschen, die sich von Luxussanierungen bedroht fühlten, hätten sich von seinem Werk angesprochen gefühlt: „Die kleinen Leute, das sind wir, wir kämpfen ums Überleben“.

Bis zum 30. Juli dauert die Aktion in München noch. Sie steht unter dem Motto „Habt ihr die „little people“ gesehen? Sagt ihnen, ihre Häuser sind fertig.“. Auch mit Schülern und Studenten hat er hier gearbeitet und sie dabei unterstützt, selbst Dwellings zu bauen, die vom 6. bis 30. Juli im Kunstraum München ausgestellt werden sollen. Die Werke von Simonds selbst haben es in berühmte Museen geschafft, etwa in Paris, New York oder Zürich.

München hat es Simonds allerdings nicht leicht gemacht, auch wenn Kulturreferent Hans-Georg Küppers die Dwellilngs als poetische, imaginäre Gegenwelt zum durchrationalisierten, durchgeplanten Stadtraum schätzt. Er habe keine kaputten Mauern gefunden, beklagte Simonds. Und wenn, dann nur hinter einem Bauzaun. „Die kleinen Leute mussten ein bisschen kämpfen, um ein Zuhause zu finden“, sagt er.

(S E R V I C E - http://www.dwellingmunich.de)