So viel Tirol steckt im Radsport
Obwohl kein Tiroler in der Ergebnisliste des Giro d’Italia 2017 zu finden war, so spiegelte die Leistung der Österreicher doch viel aus dem Land des WM-Gastgebers 2018 wider.
Von Florian Madl
Innsbruck – Wenn es eines Beweises bedurfte, dass Österreichs Rad-Asse international Beachtung finden, dann wurde dieser beim Giro d’Italia geliefert. Und ein wenig schwingt in den Leistungen der vier heimischen Straßenradler auch das Tirol Cycling Team mit, das sich seit 2007 als U23-Mannschaft positioniert. Zunächst mit nationaler Ausrichtung, mittlerweile verstärkt international unterwegs. Für viele Fahrer diente das Team um dessen Chef Thomas Pupp, einem Wegbereiter der heimischen Straßenrad-WM, als Sprungbrett. Eine kleine Auswahl:
Matthias Krizek (28) eröffnete den Reigen an Auslandstransfers im Jahr 2012 zu Liquigas-Cannondale. Mit der Vuelta-Teilnahme 2014 erlebte der Wiener eine große Landesrundfahrt, heuer kehrte der österreichische Meister 2011 nach Tirol zurück. Mit Erfolg, wie der jüngste Etappensieg bei der Flèche du Sud (LUX) dokumentiert.
Michael Gogl (23) hatte 2015 ein Kurzgastspiel in Tirol, dann schlug der Oberösterreicher buchstäblich ein: im Team Tinkoff-Saxo und schließlich auf Betreiben Alberto Contadors im Team Trek. Vorläufiger Höhepunkt: Platz 8 beim Tagesklassiker Amstel Gold Race (NED).
Georg Preidler (26) darf sich seit Sonntag „Giro-Sieger“ nennen. Sein Sunweb-Teamkollege Tom Dumoulin hat den unerwarteten Gesamterfolg nämlich auch dem Steirer zu verdanken, der im Jahr 2011 für das Tirol Cycling Team radelte. Im Vorjahr bejubelte der Steirer selbst Etappenplatz 3 beim Giro, die Leistungskurve stimmt.
Lukas Pöstlberger (25) verblüfft, für Thomas Pupp vom Tirol Cycling Team gehörte der Oberösterreicher während seiner zwei Jahre in Tirol (2014/15) zu den „Lieblingsfahrern“. „Das liegt auch an seiner Geschichte und den Niederlagen, die er einstecken musste“, erinnert der Chef an den Beckenbruch des heurigen Giro-Etappensiegers (ein Tag in Rosa).
Patrick Konrad (25) – sein Name lässt in Tirol große Hoffnung aufkeimen. Denn sein Vater Wolfgang, der Organisator des Wien-Marathons, macht aus dem Gesamt-16. des heurigen Giro d’Italia einen halben Tiroler. Der Apfel fällt jedenfalls nicht weit vom Stamm: Papa war ein Weltklasse-Mittelstreckenläufer, der Sohn etablierte sich im Profiradsport. Die Ursprünge: zwei Jahre im Tirol Cycling Team (2010/11).
Gregor Mühlberger (23), wie Pöstlberger und Konrad im deutschen Bora-Rennstall, verdiente sich 2014/15 im Tirol-Team die Sporen. In Erinnerung bleibt er als jüngster Glockner-Sieger der Ö-Tour-Geschichte.
Damit soll die Geschichte nicht enden. Mit Benjamin Brkic kürte sich am Sonntag ein 20-jähriger Tiroler zum österreichischen Bergmeister. Auch Patrick Gamper (20), der junge Markus Wildauer (19), Junioren-Weltmeister Felix Gall (19/Farmteam Sunweb) und Alexander Wachter (22) nähren die Tiroler Hoffnung auf einen achtbaren Auftritt im U23-Straßenrennen der Heim-WM 2018.
„Unsere Ausrichtung bleibt dieselbe wie immer: Junge Fahrer sollen bei uns eine Spielwiese vorfinden und sich für höhere Aufgaben wappnen“, meint Tirol-Cycling-Manager Thomas Pupp und tritt damit auch der zuletzt aufgekommenen Kritik entgegen. Derzufolge würde seine Mannschaft zu wenig auf einheimische Fahrer achten und daneben zu wenige Rennen der U23-Kategorie beschicken, schwere Elite-Rennen hingegen forcieren.
Heute findet ein klärendes Gespräch mit Tirols Sportamtsleiter Reinhard Eberl statt, schließlich bezieht das Cycling-Team eine nahezu sechsstellige Landesförderung. Pupp wehrt sich gegen Vorwürfe: „Ein reines Tiroler Team funktioniert nicht. Und von unseren erfahrenen Gastfahrern können die Jungen nur lernen.“ Junge Fahrer – ein Stichwort. Gerade aus dem Juniorenbereich fehlt es an entsprechender Breite. Etwas, das auch Tirols Radsportpräsident Harald Baumann Sorgen bereitet.