Bryan Ferry legte in der Wiener Stadthalle ein Bilderbuch-Finish hin

Wien (APA) - Mit der Stimme hat Bryan Ferry in der ausverkauften Halle F der Wiener Stadthalle am Dienstag nicht überzeugt. Doch mit seiner ...

Wien (APA) - Mit der Stimme hat Bryan Ferry in der ausverkauften Halle F der Wiener Stadthalle am Dienstag nicht überzeugt. Doch mit seiner im Laufe des Abends zunehmenden Präsenz und nicht zuletzt mit der Songauswahl gelang es dem Roxy-Music-Frontmann dennoch, dass nicht nur der Zauber der Nostalgie das Publikum begeistern konnte. Mit Standing Ovations wurde der inzwischen 71-Jährige in die Nacht entlassen.

Wobei Ferrys Organ, mit dem er in seiner über vier Jahrzehnte andauernden Karriere imstande war, jedem Song ein besonderes Moment zu verleihen, indem er ihm das Übertriebene in der gespielten Emotion mitzugeben verstand, immer eine wesentliche Komponente seiner Spielart des Pop war. Jedenfalls eröffnete der Brite den Abend mit „The Main Thing“, einem Song aus „Avalon“, dem 1982 erschienen und letzten der acht Roxy-Music-Alben. Die Songs seiner 1971 gegründeten Band waren auch eindeutig in der Mehrzahl, sein aktuelles, vor drei Jahren erschienenes Solo-Album „Avonmore“ ging in der Setlist für Wien hingegen leer aus.

Das aus rund 2.000 Zuhörern bestehende Publikum erlebte Ferry mit einer neun Musiker umfassenden Band, wobei die weibliche Saxofonistin oft im Mittelpunkt stand. Ebenfalls zentral auf der Bühne waren die Drums positioniert, und erst im Laufe des Auftritts nahm Ferry selbst immer mehr die dominante Rolle ein. Anfangs oft sitzend, präsentierte sich der einstige Vorzeige-Dandy etwa zu „Out Of The Blue“ noch mit einem dezenten Hüftschwung, oder gab am Ende von „Simple Twist Of Fate“ eine Mundharmonika-Einlage zum Besten.

Es sollte aber erst die Interpretation von Neil Youngs „Like A Hurricane“ erstmals eine wirklich dichte Atmosphäre aufkommen lassen, zuvor waren die Songs oft auch nur zu kurz, zum Teil fast etwas lieblos heruntergespielt worden. Doch dann kam Bryan Ferry nach kurzer Abwesenheit von der Bühne zu „Take A Chance With Me“ - wieder ein Track aus „Avalon“ - sichtlich motiviert auf diese zurück. Mit dem Einsatz der ersten Klänge aus dem ersten Song des Roxy-Music-Debüts gab es dann auch im Publikum kein Halten mehr: Mit „Re-Make/Re-Model“ verlagerte sich das Geschehen zusehends von den Sitzen dicht gedrängt vor die Bühne.

Es folgte dann zum Finish hin Hit auf Hit aus den Anfangstagen von Roxy Music. Gerade das bei giftgrüner Beleuchtung gespielte „In Every Dream Home a Heartache“ mit seinem bombastischen Ende schien sowohl auf der Bühne wie auf den Gästerängen die letzten Zweifel zu beseitigen. Der gegenseitig übergesprungene Funke hatte zur Folge, dass so gut wie niemand mehr in seinen Sitzen verweilen wollte. „We‘ve been around a long time just trying to make the big time“, sang Ferry aus dem Song „Virgina Plane“ - und er sollte am Ende doch noch Recht behalten. Mit „Editions Of You“ gab es dann noch eine unerwartete Zugabe mit auf den Heimweg.