Rom fiebert Premiere der „Rock-Oper“ über Kaiser Nero entgegen

Rom (APA) - Rom fiebert der Premiere der „Rock-Oper“ über Kaiser Nero (37-68 nach Christus) entgegen. Der umstrittene Despot ist der Protago...

Rom (APA) - Rom fiebert der Premiere der „Rock-Oper“ über Kaiser Nero (37-68 nach Christus) entgegen. Der umstrittene Despot ist der Protagonist eines Musicals mit internationalem Cast, das am kommenden Mittwoch (7. Juni) Premiere feiert.

Die Rock-Oper „Il divo Nerone“ (Der göttliche Nero) wird auf dem geschichtsträchtigen Palatin-Hügel mit direktem Ausblick auf das Kolosseum inszeniert, was bei Denkmalschützern Sorgen auslöst. Bis zum 10. September wird das Musical sechs Mal pro Woche in Englischer und Italienischer Sprache aufgeführt. 3.000 Zuschauer werden pro Abend erwartet, bis Ende der Saison sollen es 150.000 sein, hoffen die italienischen Produzenten der Rock-Oper. Sie rechnen mit einem starken Zustrom von Zuschauern aus dem Ausland, unter anderem aus dem deutschsprachigen Raum. Die Karten werden zu einem Preis zwischen 45 und 180 Euro verkauft.

38 Akrobaten, Tänzer, Schauspieler und Sänger werden mit einer spektakulären Aufführung und 3D-Szenarien das römische Imperium zum Leben erwecken. „Wir führen das Musical an dem Ort auf, wo Nero lebte und regierte. Zuschauer können dank neuester interaktiver Technologien ganz in die Atmosphäre des römischen Zeitalters eintauchen“, berichtet Musical-Produzent Christian Casella im Gespräch mit der APA in Rom.

Die Show erzählt 14 Jahre aus dem Leben Neros. Er galt als skrupelloser Herrscher, gab den Auftrag zu Morden und verfolgte Christen. Im Jahr 59 ließ er seine eigene Mutter Agrippina umbringen. Der Kaiser war jedoch auch Liebhaber der schönen Künste, der die Kultur förderte und die berühmte „Domus Aurea“ im Zentrum Roms erbauen ließ. Dem Despoten Nero wurde lange nachgesagt, der Urheber des großen Brandes von Rom im Jahr 64 gewesen zu sein. Die moderne Forschung erhebt allerdings Zweifel daran.

Das Musical debütiert mit einem Cast namhafter Künstler. Die Rolle des Nero übernimmt der Italiener Giorgio Adamo. Autor des Musicals ist der Liedermacher Franco Migliacci, der 1958 zusammen mit Domenico Modugno den Italo-Welthit „Volare“ geschrieben hat. An der „Rock-Oper“ wirkten auch der Filmmusik-Autor Luis Bakalov, der Oscar-gekrönte Szenenbildner Dante Ferretti („Aviator“, „Sweeney Todd“) und Kostümdesignerin Gabriella Pescucci mit, die für ihre Arbeit am Filmepos „Zeit der Unschuld“ 1994 einen Oscar gewonnen hat.

Die Aufstellung einer 14 Meter hohen und 36 Meter breiten Bühne am Palatin-Hügel auf dem Gelände der Kaiserlichen Foren sorgte in den letzten Wochen für Streit in Rom. Die Produzenten versicherten, dass die Dezibel der Rock-Oper nicht höher als jene des Straßenverkehrs rund um das Kolosseum seien. 250.000 Euro zahlten die Produzenten des Musicals, um die Bühne am Palatin-Hügel aufzustellen. Drei Prozent der Einnahmen aus dem Ticketverkauf sollen in die Kassen von Roms Denkmalschutz fließen. Die Produzenten versicherten, dass damit bis zu 600.000 Euro für die Restaurierung der „Domus Aurea“ lockergemacht würden.

„Eine Riesenbühne aufzustellen und 3.000 Zuschauer am Palatin-Hügel zusammenzubringen, ist verrückt. Man kann zwar antike Theater für Konzerte nutzen, am Palatin sind jedoch keine Strukturen vorhanden“, kritisiert Vittorio Emiliani, Präsident eines Komitees zum „Schutz der Schönheit“ in Rom. 2014 hatte Roms Denkmalschutz den Circus Maximus für ein Konzert der Rolling Stones freigegeben, zu dem 70.000 Zuschauer kamen. Die Gemeinde hatte damals lediglich 7.900 Euro für den Auftritt kassiert.