Kurz und intensiv: Angel Olsen mit schweißtreibendem Gig im WUK
Wien (APA) - Angel Olsen weiß genau, was sie will. Die US-amerikanische Musikerin besticht nämlich nicht nur mit ihren Songs, sondern auch e...
Wien (APA) - Angel Olsen weiß genau, was sie will. Die US-amerikanische Musikerin besticht nämlich nicht nur mit ihren Songs, sondern auch einer Ausstrahlung, die zwischen entrückt und selbstbewusst changiert. Da kann es schon passieren, dass bei einem Konzert das Publikum etwas schroffer angesprochen wird - nur um im nächsten Moment alles als Witz zu entlarven. So passiert am Dienstagabend im Wiener WUK.
„Euch ist schon klar, dass wir hier ein Konzert spielen?“, entfuhr es der 30-Jährigen etwa zur Hälfte ihres Sets in der drückend heißen Halle. Das Gemurmel, das in einer Songpause angeschwollen war, erstarb sofort wieder. Die kurz herumstreifenden Blicke waren wieder konzentriert auf das, was da in den Lichtkegeln passierte. „Nein, nur ein Scherz“, schob Olsen nach, stimmte weitere ihre Gitarre, ließ ein kurzes Lachen vernehmen und blickte dann wieder recht streng zu ihren Fans. Also doch eine Zurechtweisung? Jedenfalls eigenwillig.
Ihr Selbstbewusstsein hat sich Olsen in den vergangenen Jahren hart erarbeitet. Die in St. Louis, Missouri, bei einer Pflegefamilie aufgewachsene Künstlerin hat sich früh in der lokalen Musikszene vernetzt, bevor sie nach Chicago zog und ihr Vorhaben intensivierte. Erste EPs wurden veröffentlicht, die nicht zuletzt das Interesse von Bonnie „Prince“ Billy auf sich zogen. Den renommierten Singer-Songwriter unterstützte sie auf einigen Platten und Tourneen, aber spätestens seit dem 2014 vorgelegten Album „Burn Your Fire for No Witness“ steht das eigene Songmaterial im Fokus.
Den vorläufigen Höhepunkt markierte „My Woman“ im Vorjahr: Ein Album zwischen knackigem Indie-Rock und ausufernden Folkpassagen, das den zuvor etablierten Sound um einige Facetten erweiterte. Wesentlichen Einfluss darauf hatte auch Gitarrist Seth Kauffman. „Unsere Crew war zu dem Zeitpunkt schon einige Zeit zusammen, er brachte dann frische Luft hinein“, erklärte Olsen vor ihrem Wien-Konzert im APA-Gespräch. „Es war schön, wie alle ihre Rollen geteilt haben und wie sich das auf den Klang ausgewirkt hat. Ich versuche immer Leute zu bekommen, die sich mögen - auch für die Tour. Man muss ja nicht beste Freunde werden, aber die Chemie sollte passen.“
Für die derzeitige Konzertreise, die sich vor allem schweißtreibend gestaltet (Olsen: „Es ist überall so heiß.“), bedeutete das wieder eine neue Konstellation. „Es macht sehr viel Spaß“, bekräftigte die Sängerin. „Außerdem haben sich die Songs mittlerweile geöffnet. Die Performance verändert dich, sie verändert auch die Lieder. Strukturen, die du als permanent angesehen hast, können sich verschieben. Natürlich hängt das aber von der jeweiligen Nacht ab.“ Im WUK schien zwar die Stimmung auf wie vor der Bühne zu passen, geworden ist es letztlich aber ein doch etwas komprimierter Gig, der trotz hoher Intensität ohne Zugaben auskommen musste.
Beklagen durfte man sich deshalb aber nicht: Ausgehend vom ruhigen, die Atmosphäre verdichtenden „Heart Shape Face“ legten Olsen und ihre fünf Mitstreiter einen extrem starken Auftritt hin, der die klanglichen Möglichkeiten des Sextetts komplett ausschöpfte. Während sie selbst im langen weißen Kleid ihre Gitarre bearbeitete, durften die einheitlich in grauen Anzügen gekleideten Kollegen mal kleinere, dann größere Räume aufmachen, in denen sich Olsens Stimme nach Lust und Laune bewegte. Beim energischen „Not Gonna Kill You“ erinnerte das an PJ Harvey, das intensive „Shut Up Kiss Me“ wilderte wiederum im poppigen Indie-Fach.
Olsen war dabei stets das Gravitationszentrum des Abends, wie nicht nur die eingangs beschriebene Szene untermauerte: nonchalant in ihren Ansagen, direkt in der Umsetzung ihrer Songs. Die Band hielt sie dabei mit ebensolcher Leichtigkeit zusammen, wie sie das Publikum in seiner Stimmung zu navigieren schien. „Ich dachte nie daran, eine Bandleaderin zu werden“, verwies sie wenige Stunden zuvor auf ihre Anfänge als Folkmusikerin. „Aber irgendwie ist es passiert. Alle Herausforderungen und Konfrontationen der vergangenen Monate waren letztlich gut für mich.“ Wovon auch schwitzende, aber sichtlich glückliche Fans profitierten.
(S E R V I C E - http://angelolsen.com)