Action im Flüchtlingslager: Kinder lernen Filmemachen
Beirut/Wien (APA/AFP) - „Ein, zwei, drei, Action“, ruft Mostafa Abdullah und beginnt zu filmen. Der Elfjährige weiß genau, was er will, und ...
Beirut/Wien (APA/AFP) - „Ein, zwei, drei, Action“, ruft Mostafa Abdullah und beginnt zu filmen. Der Elfjährige weiß genau, was er will, und gibt anderen Kindern Anweisungen, wie sie vor der Kamera singen und trommeln sollen. Mostafa stammt aus Manbij im Norden Syriens. Vor eineinhalb Jahren floh er mit seiner Familie vor der Terrormiliz Islamischer Staat in den Libanon.
Mit dem Handy hat Mostafa immer schon gern gefilmt, jetzt lernt er den Umgang mit einer Digitalkamera - in einem Flüchtlingslager. Die internationale Organisation SB OverSeas organisiert im Camp Shatila in Beirut Filmworkshops für geflüchtete Kinder.
Sechs Wochen lang treffen sich täglich etwa 30 Kinder, um gemeinsam zu schauspielern und zu drehen. Mehrere Kurzfilme sind schon fertig, darunter ein Horrorfilm über drei Hexen und „Verrat in Beirut“, ein Sechsminüter, in dem es um Entführung, Gier und Liebe geht.
Die Bilder von geflüchteten Kindern zeigen sie meist als Opfer, fotografiert oder gefilmt von Journalisten aus dem Westen. „Wir wollten das ändern. Die Kinder sollen die Kontrolle über die Bilder und Videos haben“, sagt die britische Lehrerin Aphra Evans, die das Projekt zusammen mit dem britisch-österreichischen Filmemacher Shyam Jones organisiert.
„Normalerweise sieht man die Kinder mit staubbedeckten Gesichtern in Aleppo. Aber so sind diese Kinder nicht. Das ist etwas, was ihnen passiert ist, aber jetzt haben sie das ganze Leben vor sich“, sagt die 24-Jährige.
Evans und der 25-jährige Jones helfen den Kindern, Drehbücher zu schreiben und mit der Technik umzugehen. Sie stoßen dabei auf große Begeisterung, Kreativität und bisher unentdecktes Talent.
„Später schneiden wir den Film zu Hause, zeigen ihn den Kindern und die können sich dann als kleine Schauspieler auf dem Bildschirm sehen“, sagt Filmemacher Jones, der zum ersten Mal in seinem Leben im Libanon ist. Letztlich sollen die Kurzfilme zu einer Dokumentation zusammengefügt werden, die „das wahre Leben in Shatila“ zeige.
Mehr als eine Million Syrer sind im Libanon als Flüchtlinge registriert, unter ihnen 500.000 Kinder. Viele sind in improvisierten Lagern auf Feldern untergekommen, andere haben in palästinensischen Lagern wie Shatila in der Stadt Zuflucht gefunden.
Auch die 13 Jahre alte Hanadi al-Haj Abdallah lebt hier, nachdem sie vor vier Jahren aus Damaskus geflohen war. Um den Kopf trägt sie ein weinrotes Tuch, die Fingernägel hat sie sich feuerrot lackiert. Sie singt arabischen Rap.
„Darin geht es um den Krieg, die Bomben und die Zerstörung“, erklärt das Mädchen. Für den Dreh spielt sie die Ud, die bauchige arabische Laute. „Das war das erste Mal, dass ich vor der Kamera gespielt habe“, sagt Hanadi. „Und ich fühle mich wie ein großer Star.“