Segeln:Olympiadritte Frank verabschiedete Jugendteam zu America‘s Cup
Wien (APA) - Mit einem Farewell-Cocktail hat sich Österreichs erstes Team beim Youth America‘s Cup verabschiedet. Acht junge Segler flogen a...
Wien (APA) - Mit einem Farewell-Cocktail hat sich Österreichs erstes Team beim Youth America‘s Cup verabschiedet. Acht junge Segler flogen am Mittwoch nach Bermuda, wo im Rahmen des 35. America‘s Cup dieser anspruchsvolle Nachwuchs-Segelbewerb zum zweiten Mal durchgeführt wird. Die Abschiedsparty in Wien ließ sich auch die Olympia-Dritte Tanja Frank nicht entgehen.
Die 24-Jährige hat 2016 in Rio als Vorschoterin Bronze im Nacra 17 gewonnen und ist nun Steuerfrau im 49erFX. Bei der Verabschiedung outeten sich Frank und deren neue Segelpartnerin Lorena Abicht als Fans des rot-weiß-roten AC-Projektes.
„Das ist für die Burschen so einmalig wie für andere Olympia. Es ist einfach ein Riesenerlebnis, bei etwas dabei zu sein, das man sonst immer nur im Fernsehen sieht“, sagte Frank. „Ich finde das Projekt sehr cool und drücke fest die Daumen“, versprach die Wienerin.
Schon 2013 hatte sich ein rot-weiß-rotes Team beim ersten Red Bull Youth America‘s Cup (RBYAC) in San Francisco versucht, war aber in der Vor-Ort-Ausscheidung hängen geblieben. Erfinder, Entwickler und Direktoren des Bewerbes, der für Nachwuchssegler zwischen 18 und 24 Jahren eine Brücke zum eigentlichen Kampf um die älteste und bekannteste Segeltrophäe der Welt bilden soll, sind die Doppel-Olympiasieger Roman Hagara und Hans Peter Steinacher. Das „Candidate Sailing Team“ hatte sich gegen 19 Konkurrenten qualifiziert. Deshalb gilt es offiziell als erstes österreichisches Projekt beim RBYAC überhaupt.
Rund um diese Segel-Initative soll in Österreich Nachhaltiges entstehen. Der OeSV ist nicht zuletzt auch wegen seiner Olympia-Medaillen einer der erfolgreichsten Sommersportverbände, nun bekommt auch Team-Segeln immer mehr Gewicht. „Olympisches Segeln wird immer blieben. Es ist aber sicher möglich, eine zweite Sparte aufzumachen und dass es daneben auch eine Ausbildung auf großen Booten gibt“, hofft auch Stefan Scharnagl.
Der 21-jährige Salzburger kommt selbst vom 470er und damit wie seine Teammitglieder aus der OeSV-Ausbildung. Vor Bermuda ist Scharnagl Steuermann des österreichischen 45-Fuß-Bootes. Dieses wird man freilich erst vor Ort erstmals segeln können, auch deshalb ist „Austria“ im Great Sound Underdog.
Insgesamt segeln vor Bermuda zwölf Nachwuchs-Teams zunächst um acht Finalplätze. In Gruppe B bekommt es Österreich am 12. und 13. Juni im Fleetrace-Modus u.a. mit Land Rover BAR (GBR), Neuseeland und den USA zu tun.
„Die sind auf diesen Booten schon gesegelt und verfügen über viel Erfahrung und Support der Cup-Teams“, ist Scharnagl klar, wer die Favoriten sind. Seine Hoffnung: „Wir können überraschen. Mit einem guten Start ist man schnell vorne dabei.“ Eine Finalteilnahme wäre dennoch eine Sensation. „Wir hoffen, dass der Wahnsinn America‘s Cup für uns möglichst lange anhält.“
Den Namen hat das Team, weil damit eine Dating-App beworben wird. „Love drives this Sail“ steht im Segel und Firmenchef Dieter Schneider entließ die Crew am Dienstagabend schmunzelnd mit der Bitte „Behandelt das Boot so liebevoll, dass es als Erstes ins Ziel kommt“.
Die AC45F ist nur fünf Fuß kürzer als das ACC-Boot, mit dem Oracle USA vor Bermuda die älteste Sporttrophäe der Welt verteidigt. Im Gegensatz zu 2013 wird nun aber auch beim Nachwuchs „gefoilt“, das macht das Segeln extrem anspruchsvoll und auch gefährlich.
Österreichs junge Crew hat zwar bisher nur auf kleineren Booten geübt, aber dennoch „keine Angst“. „Wir sind gut vorbereitet“, betonte Scharnagl nach dem Abschlusstraining in Palma. „Respekt haben wir aber schon. Alles andere wäre Größenwahn“, weiß Scharnagl, dass es kein Honiglecken wird, einen acht Stockwerke hohen Renn-Katamaran mit 65 km/h auf Unterwasser-Tragflächen „dahinfliegen“ zu lassen.
Daher muss auch der Nachwuchs Helme, Schwimmwesten, Messer und Unterwasser-Beatmungsgeräte mitführen. „Die Boote sind schnell und entwickeln enorme Kräfte“, weiß Scharnagl. Team-Manager Roland Regnemer ergänzte: „Beim Foilen musst du als Segler einfach bereit sein, die Komfortzone zu verlassen.“
Neben dem Segelstress hofft man, möglichst viel America‘s-Cup-Stimmung aufschnappen zu können. Und natürlich auch das Karibik-Flair der von den Beach Boys im einstigen Nummer-1-Hit „Kokomo“ besungenen Inselgruppe im Atlantik.
„In diesem großen Konzert mitspielen zu können, ist einmalig“, spricht Scharnagl seiner jungen Crew aus der Seele. „Ich hoffe, dass wir am Ende stolz auf uns sein können, weil wir eine vernünftige Performance abgeliefert haben.“