Internationale Pressestimmen zum deutsch-amerikanischen Verhältnis

Madrid/Prag/Zürich (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Mittwoch die Spannungen zwischen Washington und Berlin:...

Madrid/Prag/Zürich (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Mittwoch die Spannungen zwischen Washington und Berlin:

„El Pais“ (Madrid):

„Der US-Präsident verbreitet Chaos in alarmierender Weise (...) Für jemanden wie Trump, der es gewohnt ist, seine Gegner zu beleidigen und persönlich zu attackieren, wird es sicherlich kaum verständlich sein, dass ausgerechnet Merkels größter politischer Rivale, der Sozialdemokrat Martin Schulz, die Bundeskanzlerin in Schutz nimmt. Schulz hat Trump als „Zerstörer aller westlichen Werte“ kritisiert (...) Diese westlichen Werte sind zweifellos auch US-amerikanische Werte. Es ist daher dringend nötig, dass die Abgeordneten in Washington sich bewusst machen, dass man auf beiden Seiten des Atlantiks einen hohen und ungewünschten Preis zahlen wird, falls dieser irregeleitete Präsident, der unfähig ist, seine Impulse unter Kontrolle zu halten, weiterhin gegen Beziehungen anstürmt, die so schwer zu knüpfen waren. Die US-Abgeordneten verfügen über die legalen Mechanismen, um zu verhindern, dass das passiert.“

„Lidove noviny“ (Prag):

„Der Spaß hört da auf, wo die Wahlkampagne beginnt, wie jetzt in Deutschland. Politiker aller Couleur grenzen sich dort gegenüber (US-Präsident Donald) Trump ab. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel ein negatives Urteil abgibt, muss ihr Rivale und Außenminister Sigmar Gabriel eine noch schärfere Bewertung abgegeben. Der sachliche Kern bleibt außen vor. So war es auch nach Trumps Reise zu NATO- und G-7-Gipfel. „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen“, fasste Merkel zusammen. Doch Moment: Ist das nicht genau die Erkenntnis, die Trump den Europäern beibringen wollte? Ist es nicht das, was er selbst von den Europäern hören wollte?“

„Danas“ (Belgrad):

„In Amerika interpretiert man Merkels Worte radikal - man spricht über den Beginn einer neuen Ära und tektonische Änderungen in den transatlantischen Beziehungen. Tatsächlich kommt jetzt vielleicht wirklich eine neue Ära. Aber wenn es so sein sollte, haben den Urknall nicht Deutschland, sondern die Wähler in Großbritannien und den USA ausgelöst. Radikalität passt überhaupt nicht zur deutschen Kanzlerin (...)

Der Grund für die Dramatisierung der Worte der Kanzlerin in Amerika ist natürlich der Kreuzzug von Trump und einigen Medien, die eine angebliche Trennung der neuen amerikanischen Regierung und ihrer europäischen Partner ankündigen. Schließlich wird in der ganzen Angelegenheit die Rolle der Parlamentswahlen in Deutschland am 24. September unterschätzt. Das Erdbeben wurde jedenfalls von Großbritannien und den USA ausgelöst, während Europa nur reagiert. Wird Europa diese Umstände gut nutzen, ist aber eine schwere Frage.“