Ein Berg mit Traum-Aussicht
Auf vielen Gipfeln liegt derzeit noch einiges an Schnee, den Tschirgant kann man aber schon in Angriff nehmen. Die Rundwanderung ist zwar lang, aber abwechslungsreich.
Von Peter Spadinger
Karrösten –Wenn man von Westen kommend durchs Oberinntal fährt, fällt einem unweigerlich ein gleichmäßig geformter, steiler und spitzer Gipfel ins Auge – der Tschirgant. Dieser ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Berg. Geologisch höchst interessant, einst auch ein nicht unwichtiger Ort für den Bergbau, wo Blei, Silber und Zink abgebaut wurden, ein Berg mit abwechslungsreicher Fauna und Flora, und vor allem einer mit traumhafter Aussicht.
So kommt man hin: Auf der Inntalautobahn bis zur Ausfahrt Imst, dann der Beschilderung nach Karrösten folgen. Im Dorf bei der ersten Kreuzung links, dann immer der gelben Beschilderung „Karröster Alm“ nach, bis man auf einen gebührenfreien Parkplatz trifft. Dort das Auto abstellen. Zunächst wandern wir durch schöne Föhrenwälder der Beschilderung „Höhenweg Karres“ folgend. Nach rund 15 Minuten erreicht man eine Kreuzung, wo ein Schild zeigt, dass der Höhenweg vorübergehend gesperrt ist, da der Weg im Bereich eines Grabens immer wieder abbricht und wegrutscht. Wir folgen also links dem Forstweg und wählen bei den kommenden beiden Abzweigungen jeweils den rechten Weg, bis wir nach ca. 100 Höhenmetern bergauf und bergab auf den Almweg zur Karrer Alm treffen. Diesen kürzen wir einige Male über schöne Waldsteige ab, und erreichen nach ca. 1,5 Stunden die Einkehr (1613 m).
Gerne würde man auf der gemütlichen Terrasse länger bleiben, doch die Zeit drängt, und nach einer kurzen Erfrischung kommt nun der anstrengendste Teil der Tour.
Teilweise sehr steil geht’s durch den ausgedehnten und felsdurchsetzten Latschengürtel. Die Temperaturen können hier je nach Tageszeit an Aufgüsse in der Sauna erinnern, denn in diesem Südhang ist man der Sonne vollkommen ausgeliefert.
Hat man den Grat erreicht, warten ein Tisch und Bänke für eine verdiente Rast und das Kräftesammeln vor dem Gipfelanstieg. Weit ist es nicht mehr, und eigentlich auch nicht schwierig, wäre da nicht noch ein steiles Schneefeld knapp vor dem Gipfel, das es zu überwinden gilt.
Am vergangenen Wochenende war der Schnee weich und hatte gute, tiefe Spuren, sodass die Überwindung keinerlei Probleme machte. Unter geänderten Bedingungen – bei Vereisung beispielsweise – kann diese Querung jedoch problematischer sein.
Auf dem Gipfel (2370 m) angekommen hat man dann ein Panorama, das wohl kaum ein anderer Berg bieten kann. Man sieht ins Ötztal, ins Pitztal, ins Gurgeltal und auf beiden Seiten ins Inntal. Zahlreiche Berge der Ötztaler, Stubaier und Lechtaler Alpen sowie des Wettersteingebirges kann man von hier aus erblicken. Daher unbedingt das Fernglas einpacken und eine ausgiebige Pause einplanen!
Der Abstieg Richtung Westen ist im obersten Teil ein wenig felsig und steil, ab und zu benötigt man auch die Hände, um sicher weiterzukommen. Etwas unterhalb des Gipfels (noch ein zweites Schneefeld ist hier zu überwinden) treffen wir auf die sensationell gelegene Hütte der Bergwacht Karrösten (2175 m), welche an schönen Wochenenden geöffnet hat. Ist die Hütte geschlossen, kann man trotzdem Bier und Limonade, die in einem Nebengebäude gelagert werden, käuflich erwerben.
Man baut auf Ehrlichkeit: Getränk nehmen, in die bereitgestellte Kassa einzahlen und auf einer der Bänke rund um die Hütte genießen. Hat man den Betrag nicht genau dabei, kann man trotzdem sein Getränk holen und zahlt später in der Karröster Alm. „Das klappt sehr gut“, erzählt ein Mitarbeiter der Bergwacht, der gerade beim Ausbessern der Wege ist, um das sich die Bergwacht Karrösten – wirklich vorbildlich – kümmert.
Weiter geht es durch Latschen, dann durch Wälder über den Schmittensteig recht steil hinunter, bis wir auf einen Forstweg treffen, der uns zur Karröster Alm (1468 m) bringt. Mit ländlicher Musik über den Lautsprecher und viel Herzlichkeit wird man von Hüttenwirtin Elke begrüßt. Obwohl ursprünglich aus Sachsen weiß sie, was man in Tirol am Teller schätzt. „Bei mir wird alles frisch gekocht, die Suppe wird noch mit Fleisch und Knochen aufgestellt, Suppenwürfel kommt mir keiner ins Haus.“ Als kulinarische Attraktion organisiert sie hier alle zwei Wochen zudem eine Grillerei, bei der direkt über dem Feuer gegrillt wird. „Dadurch bekommt das Fleisch einen rauchigen Geschmack, das schmeckt fantastisch“, kommt Elke ins Schwärmen. (Termine: http://karroster-alm8.webnode.at/)
Der Weg zurück zum Ausgangspunkt führt über einen netten Steig und zum Ende wieder über einen Forstweg, hier gibt es Infotafeln zum Thema Geologie. Fazit: Der Tschirgant ist – gutes Wetter vorausgesetzt – ein einzigartiges Ziel, das ein beeindruckendes Bergerlebnis bietet. Vor allem im Gipfelbereich sind aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie gutes Schuhwerk unbedingt nötig. Frühzeitigen Aufbruch kann man nur empfehlen und für diese 15-Kilometer-Runde samt 1400 Höhenmetern ist auch Kondition erforderlich.