Deutschland sagt Abschiebeflug nach Afghanistan wegen Anschlags ab

Kabul/Berlin (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Regierung hat wegen des schweren Anschlags in Kabul einen für den Abend geplanten Abschiebeflug na...

Kabul/Berlin (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Regierung hat wegen des schweren Anschlags in Kabul einen für den Abend geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan abgesagt. Das teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in einer Sitzung des Innenausschusses des Bundestags mit, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Die Absage erfolgte demnach allerdings „nur für heute“ und aus „Rücksicht auf Botschaftsangehörige“. Die Mitarbeiter der Auslandsvertretung seien mit der Schadensaufnahme befasst und könnten sich daher nicht um die Ankunft des Abschiebefliegers am Kabuler Flughafen kümmern, hieß es. Bei dem Selbstmordanschlag im Diplomatenviertel Kabuls nahe der deutschen Botschaft waren in der Früh mindestens 80 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl begrüßte den Verzicht auf die geplante Sammelabschiebung, forderte aber zugleich einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan. Geschäftsführer Günter Burkhardt verwies dabei auch auf Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Ablehnungen der Asylanträge der betroffenen Flüchtlinge. Auf einen Verzicht auf weitere Abschiebungen drängten auch deutsche Grüne und Linke.

Bisher hat Deutschland in fünf Sammelflügen 106 abgelehnte Asylwerber nach Afghanistan abgeschoben. Die deutsche Regierung rechtfertigt Abschiebungen nach Afghanistan bisher damit, dass es dort „sichere Gebiete“ gebe, in denen die Betroffenen unterkommen könnten. Dazu gehört offensichtlich auch die Hauptstadt Kabul, wo sich nun der Anschlag ereignete.