Bauen und Weltverbessern: „Assemble“ im Architekturzentrum

Wien (APA) - Ihre Arbeit sei prototypisch dafür, „wie man auch bauen kann“, sagt die Chefin des Architekturzentrum Wien, Angelika Fitz. Näml...

Wien (APA) - Ihre Arbeit sei prototypisch dafür, „wie man auch bauen kann“, sagt die Chefin des Architekturzentrum Wien, Angelika Fitz. Nämlich so, dass es die Welt ein kleines Stück besser macht. Ab morgen, Donnerstag, zeigt man in Wien die weltweit erste Werkschau des jungen Londoner Kollektivs Assemble. Für seine unorthodoxen, partizipativen Low-Cost-Projekte erhielt die Truppe 2015 den edlen Turner Preis.

Das kam für viele überraschend - nicht aber für Fitz, die sich schon vor der Zuerkennung der Auszeichnung darauf festgelegt hatte, mit Assemble ihre Direktionsperiode am Az W zu beginnen. Die Arbeitsweise des Kollektivs sei momentan einzigartig, betonte sie bei der heutigen Pressekonferenz. „Assemble“ bedeutet dabei zumindest zweierlei: Zum einen das Zusammenkommen als Gruppe von 15 bis 18 Architekten und anderen Mitgliedern in einer völlig unhierarchischen Form - sowie von den zahlreichen freiwilligen Mitmachern ihrer Projekte - und zum anderen das ungewöhnliche Zusammenstellen von Material.

Schutt in Reissäcken als akustisch ideales - und kostengünstiges - Mauerwerk für einen Proben- und Konzertsaal, im Innenhof-Kugelgrill selbst gebrannte Türgriffe für die Revitalisierung von einigen Straßenzügen in Liverpool oder verschiedenste Recycling-Materialien für einen von Kindern selbst gebauten Abenteuerspielplatz in einem unterprivilegierten Viertel von Glasgow: Die Lösungen, die Assemble findet und eigenhändig umsetzt, sind stets Low- bis No-Cost und werden zumindest mittelfristig von den Bewohnern und Nutzern selbst in die Hand genommen.

Es ist ein Bauen, das sich am Nutzer orientiert. Klingt logisch, ist es im investorengetriebenen Architekturbetrieb aber nicht. Für die Reihenhäuser der Granby Four Streets in Liverpool erarbeitete das Kollektiv einen Sanierungsplan, der unter anderem in bis heute aktive soziale Unternehmen gemündet ist und von den Bewohnern Detail für Detail mitgestaltet und weitergeführt wird. Das Yardhouse mit leicht erschwinglichen Künstlerateliers kann einfach abgebaut und an einer anderen, leerstehenden Stelle wiedererrichtet werden. Das gleiche gilt übrigens für das „Brickerl“, einen Pavillon aus mittels Schnur zusammengehaltener Wiener Ziegeln, den Assemble in ihrer zweisemestrigen Gastprofessur an der TU Wien mit den Studierenden erarbeitet haben und der am 21. Juni im Museumsquartier fertig sein wird.

Und wie bringt man so einen kompromisslosen Hands-On-Ansatz ausgerechnet ins Museum? „Das war eine Herausforderung“, gibt Maria Lisogarskaya von Assemble zu. „Aber auch eine wunderbare Gelegenheit, unsere bisherige Arbeit zu reflektieren.“ Was es in der Ausstellung nicht gibt: Fotos von Architekturfotografen. Stattdessen hat man ein paar durchaus große Versatzstücke von Bauwerken - etwa die Fassade des Künstler-“Yardhouse“ - aufgestellt, ein paar Modelle, Fotos aus dem Alltag der Reihenhaus-Bewohner und ein Film über die Kinder am Abenteuerspielplatz, der für viele der armutsgefährdeten, isolierten Arbeiterkinder zum zweiten Zuhause geworden ist.

Dass es Assemble noch keine sieben Jahre gibt, ist angesichts dieser Fülle an realisierten und längst in die Selbstständigkeit entlassenen Projekte verblüffend, die meisten der Mitglieder sind noch keine dreißig Jahre alt. Man habe sich damals nach dem Studium einfach zusammengefunden und ein Projekt gemacht, erzählte Mitglied Lewis Jones. „Mit dem Eifer, etwas auszuprobieren und einer gewissen Frustration über die gängige Baupraxis.“ Die Anerkennung kam schnell, der Wunsch nach einer anderen Art von Architektur ist da. Auch Wien soll sich laut Fitz ein Scheibchen davon abschneiden - deswegen war es ihr so wichtig, Assemble nicht nur ins Museum zu stecken, sondern auch ans Architektur-Institut der Technischen Universität.

(S E R V I C E - „Assemble“ von 1. Juni bis 11. September, Architekturzentrum Wien, www.azw.at)