MotoGP-Star Rossi: „Ich hatte die Chance auf die Formel 1“
Vor seinem Heimauftritt in Mugello nahm sich MotoGP-Superstar Valentino Rossi (38) Zeit für die TT. Der Italiener sprach über seine Kindheit, seine Freizeit und den möglichen zehnten Weltmeistertitel.
Mugello – Wer an die MotoGP denkt, der muss unweigerlich seinen Namen in den Mund nehmen: Valentino Rossi. Der Italiener ist seit Jahren das Aushängeschild der Königsklasse, ein Weltstar über die Branche hinaus. Am Wochenende wird der neunfache Weltmeister bei seinem Heimspiel in Mugello erneut die Massen in Bewegung setzen. Nicht nur deshalb scheint eine MotoGP ohne den 38-Jährigen unvorstellbar. Noch hat der Yamaha-Superstar ohnehin keine Ambition, den Helm an den Nagel zu hängen.
Seit 1996 sind Sie Teil der Motorrad-Weltmeisterschaft: Hätten Sie sich jemals erträumen lassen, dass Ihre Karriere so lange dauern könnte?
Valentino Rossi: Ehrlich gesagt habe ich nie großartige Zukunftspläne gemacht. Am wichtigsten war mir immer, nicht den Spaß am Motorradfahren über all die Jahre zu verlieren. Natürlich bin ich überglücklich, wie alles gekommen ist. Aber bitte fragen Sie mich nicht, wie lange ich noch fahre! Ich weiß es echt noch nicht. (lacht)
Sie sind das Gesicht der MotoGP: Sollten Sie doch irgendwann einmal zurücktreten, wer könnte in Ihre großen Fußstapfen treten? Wer hat das Zeug dazu, Ihre Titelsammlung zu sprengen?
Rossi: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich hoffe, dass die Piloten meiner Akademie (Rossi betreibt ein eigenes Förderprogramm für Talente, Anm.) viele Titel holen werden. Ich habe auch noch nicht vor, so schnell zurückzutreten. Zumindest zwei weitere Jahre werde ich noch mit Yamaha am Start sein. Vielleicht werde ich also noch gegen das eine oder andere Supertalent selbst fahren.
Max Biaggi (ITA), Sete Gibernau (ESP), Casey Stoner (AUS), Jorge Lorenzo (ESP) oder Marc Márquez (ESP): Sie hatten über die Jahre viele Gegenspieler. Welcher hat Sie nachts nicht gut schlafen lassen?
Rossi: Alle der von Ihnen genannten Fahrer waren und sind großartige Ausnahmekönner. Ich hatte viele gute Rennen gegen die Jungs, aber es ist schwer, einen herauszupicken.
Die MotoGP zählt mittlerweile zu den beliebtesten Rennserien weltweit. Was hat die Serie, was andere nicht haben?
Rossi: Ganz ehrlich: Das ist schön, aber ich habe mich stets auf das Fahren konzentriert und wüsste auch nicht, was ich sonst getan hätte, wenn ich kein Profi geworden wäre. Es gibt für mich nichts Vergleichbares mit dem Fahren eines MotoGP-Bikes. Das wird auch der Grund sein, warum ich nicht aufhören kann. Wir sprechen hier über die besten Motorräder der Welt – Prototypen, wie es keine anderen gibt. Mit der Motorradszene war ich immer ganz eng.
Schon von klein auf...
Rossi: Ja, mein Vater war ja auch Biker und ich war überall dabei, wenn er auf dem Motorrad gesessen ist – egal, ob Training oder Rennen. Motorsport war für mich Liebe auf den ersten Blick.
Vor 13 Jahren saßen Sie bei einem Test in einem Ferrari (Formel 1). Der damalige Präsident Luca di Montezemolo hätte Sie mit Handkuss genommen – hätte Sie der Wechsel gereizt?
Rossi: An einem gewissen Punkt in meiner Karriere hätte ich tatsächlich die Chance gehabt, in die Formel 1 zu gehen. Ich habe mir sehr lange die Frage gestellt, ob ich wechseln soll. Die Tests liefen hervorragend, aber schlussendlich war ich mit meinem Verbleib zufrieden. Vor allem, wenn man sieht, was ich seither noch alles gewonnen habe. Irgendwann einmal werde ich sicher in die Autoszene wechseln. Nicht in die Formel 1, dafür bin ich zu alt. Doch ich liebe die Rallye. Wir werden sehen, was kommt.
Was macht Valentino Rossi gerne, wenn er nicht auf der Yamaha sitzt?
Rossi: Ich trainiere sehr viel und bin fast jede freie Minute auf einem Motorrad. An den Wochenenden, wenn es kein Rennen gibt, bin ich auf meiner Bike-Ranch mit den Akademie-Fahrern. Das ist ein Riesenspaß. Zwischendurch bin ich im Fitnessstudio. Sonst führe ich ein normales Leben, gehe mit Freunden aus. Allerdings muss ich mir die Orte mittlerweile genau aussuchen, wo ich hingehe. (lacht)
Werden Sie der MotoGP – wenn Sie einmal zurücktreten sollten – in irgendeiner Form erhalten bleiben? Welche Position könnten Sie sich vorstellen?
Rossi: Da ich noch aktiv bin, habe ich mir darüber noch nicht den Kopf zerbrochen. Das kommt zu einem anderen Zeitpunkt.
Sie sind auch heuer wieder im WM-Kampf mit von der Partie. Wie realistisch sind die Chancen auf Ihren zehnten Titel?
Rossi: Jetzt geht es einmal darum, viele gute Rennen abzuliefern. Ich möchte gewinnen und dabei soll der Spaßanteil nicht zu klein sein. Über den Weltmeistertitel denke ich jetzt noch nicht nach.
Das Gespräch führte Daniel Suckert