Referenzen an Pink Floyd: Zorniger Roger Waters mit solidem Album
Wien (APA) - In den vergangenen Jahren hat Roger Waters vor allem mit der Neuaufführung der immer noch nicht gealterten Pink-Floyd-Show „The...
Wien (APA) - In den vergangenen Jahren hat Roger Waters vor allem mit der Neuaufführung der immer noch nicht gealterten Pink-Floyd-Show „The Wall“ die Fans begeistert. Morgen, Freitag, bringt der Sänger und Bassist (und bis 1985 Mitglied jener britischen Band) sein erstes Rockalbum mit neuer Musik seit 1992 heraus. Und man hört einen zornigen Weckruf an die Gesellschaft, der an Waters beste Zeit erinnert.
„Is This The Life We Really Want?“ heißt das Album, das mit zahlreichen Referenzen an Pink Floyd aufwartet. Was ja auch legitim ist, war der Musiker doch die treibende Kraft hinter vielen Klassikern dieser Band. Am Anfang tickt eine Uhr, so wie in Pink Floyds „Time“. „Deja Vu“ heißt das Stück, in dem irgendwann die Streicher auftragen wie in Floyds „Comfortably Numb“. „Wish You Were Here In Guantanamo Bay,“ singt der Brite im Lied „Picture That“, einem schaurig-ergreifenden Song über den Krieg in Afghanistan.
Die Wahl von Nigel Godrich als Produzenten mag vielleicht Erwartung an neue Sounds geweckt haben, schließlich wurde dieser für seine Arbeit mit Radiohead bekannt. Aber Waters klingt wie Waters (und eben Pink Floyd) - und das passt auch so, zumal die Songs relevant und stark sind. „Nigel hat klare Vorstellungen, wie er Alben machen will. Und er ist gut dabei“, begründete Waters in einem Radio-Interview seine Wahl. Eine gute Entscheidung war es außerdem, den Gitarristen Jonathan Wilson an Bord zu holen - seine Klänge veredeln das Werk.
„Wollen wir wirklich so leben?“ - der Albumtitel ist die zentrale Frage in Waters Comeback. Der Musiker warnt vor Fremdenhass, vor Schuldzuweisungen, vor Zensur, Manipulation und vor Demagogen. „Trump ist ein Schwein“, hatte Waters zuletzt bei seinen Wall-Shows auf die Videowände projizieren lassen. „Er glaubt, Gier ist eine gute Sache“, sagte Waters in dem Radio-Gespräch über den amerikanischen Präsidenten. Zynisch und aggressiv präsentiert sich der 73-jährige Atheist („Ich glaube, wenn ich Gott wäre, hätte ich es besser gemacht.“) über weite Strecken, am Ende versöhnlich mit drei „schönen“ Liedern - die Liebe gewinnt, so die suggerierte Botschaft.
Dürfen Rockmusiker kritisch sein? Brauchen wir kritische Literatur? Natürlich, mehr denn je! Besonders schön sind Rock und Pop, wenn Texte mit Aussage und große Musik verschmelzen wie auf „Is This The Life We Really Want?“.
(S E R V I C E - https://rogerwaters.com)