Standort Tirol

Unterschriftenlisten lösen neuerliche Diskussion aus

Vom Hohen Gang aus öffnet sich der Blick auf die Seebenalm samt Stallgebäude und die vorgelagerte Seebenwand, an der die neue Aussichtsplattform entstehen soll.
© Zirknitzer Thomas

Die geplante Aussichtsplattform nahe der Seebenalm polarisiert weiter. Jetzt stellt auch der Alpenverein den Mehrwert in Frage.

Von Simone Tschol

Ehrwald –Obwohl die vom TVB geplante Aussichtsplattform an der Seebenwand nahe dem Wasserfall bereits in mehreren Gremien (auch im Gemeinderat) positiv bewertet wurde, geben sich die Gegner des Bauvorhabens rund um Thomas Zirknitzer nicht geschlagen. Sie setzen sich dafür ein, dass das noch unverbaute Gebiet im derzeitigen Zustand erhalten bleibt. Unterschriftenlisten und eine Online-Petition wurden initiiert (die TT berichtete).

Nachdem Zirknitzer und seine Mitstreiter ihr Anliegen bei der Gemeindeversammlung geäußert haben, wurden kürzlich auch die Unterschriftenlisten bei Bürgermeister Martin Hohenegg abgegeben. „Es waren insgesamt rund 750, darunter rund 200 aus Garmisch, die ich aber gesondert übergeben habe“, erklärt Zirknitzer. Über eine Stunde habe er mit dem Gemeindechef in der Sache diskutiert. Ernstgenommen habe er sich aber nicht gefühlt, so Zirknitzer. „Er hat Namen, die er nicht kannte, einfach gestrichen. Auch Unterschriften, bei denen der Vorname nur mit dem Anfangsbuchstaben angegeben war, ließ er nicht gelten – und das, obwohl die Adresse ja dabeisteht. Laut Bürgermeister blieben 330 Unterschriften übrig. Und die Online-Petition, die 880 Personen mittragen, hat er sich noch nicht einmal angeschaut. Das sind keine demokratischen Methoden“, ist Zirknitzer verärgert.

Emotionslos sieht Bürgermeister Hohenegg die Sache. „Es waren eben einige dabei, die schwer zu entziffern waren, aber ich muss zugestehen, es ist schon eine nette Schnittmenge herausgekommen. Die Online-Petition habe ich mir nicht angeschaut, weil mich diesbezüglich nur die Meinung der Ehrwalder und nicht der anderen interessiert.“ Laut Gemeindechef sei das Projekt zwar eingereicht, die Diskussionen jedoch nicht abgeschlossen. Hohenegg: „Wir haben jetzt einen neuen TVB-Obmann und werden uns deshalb mit dem neuen Tourismuschef auch über die weitere Vorgehensweise unterhalten müssen.“ Auf die Frage, ob die gesammelten Unterschriften an der ursprünglichen Entscheidung „pro Plattform“ etwas ändern würden, meint Hohenegg: „Wenn da so viele unterschreiben, hat das natürlich schon Gewicht. Das Thema gehört deshalb meiner Meinung nach in den Gremien, nicht nur im TVB, sondern auch im Gemeinderat, schon nochmals besprochen.“

Inzwischen hat auch der Österreichische Alpenverein eine Stellungnahme abgegeben. Gerald Aichner, Vorsitzender des Landesverbandes: „Der ÖAV sieht in der Aussichtsplattform kein gelungenes Zusammenspiel zwischen Natur und Inszenierung. Mindestens elf solcher Plattformen bzw. Aussichtspunkte gibt es in Tirol.“ Und weiters heißt es in dem Schreiben: „Bei der Tuftlalm befindet sich schon so eine Aussichtsplattform. Der genaue Mehrwert des geplanten Aussichtspunktes im Seebensee-Gebiet bleibt somit unerkannt und würde eher eine Austauschbarkeit der Landschaft suggerieren und daher das eigentliche Ziel des Vorhabens verfehlen.“

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