Rückbau der Dorfautobahn teurer als erwartet
800.000 Euro würde Obsteig der Rückbau der Bundesstraße durch den Ort kosten. Für Bürgermeister Föger ist das nicht finanzierbar.
Von Matthias Reichle
Obsteig, Tarrenz –Sie ist eines der großen Projekte im Rahmen der Fernpassstrategie des Landes, die 2015 gestartet wurde: Die oftmals als „Dorfautobahn“ bezeichnete Bundesstraße durch Obsteig soll zurückgebaut und mit einem breiten Rad- und Fußgängerstreifen ergänzt werden.
Derzeit steht jedoch ein Fragezeichen hinter dem zweijährigen Planungsprozess – es spießt sich an der Finanzierung. Der Gemeindeanteil ist Bürgermeister Hermann Föger nämlich viel zu hoch. Von den geschätzten 2,25 Mio. Euro würden laut Kostenschlüssel des Landes 800.000 Euro auf die Obsteiger Kassa entfallen. Das kann sich die Kommune nicht leisten, so Föger. „Wenn uns die 800.000 Euro picken bleiben, müssen wir die Straße lassen, wie sie ist.“ Von der Behörde nach den eigenen Vorstellungen gefragt, habe er zurückgeschrieben, „dass die Gemeinde viel anderes zu bewältigen hat – wie Kanal, Sozialzentrum, Schulprojekte, und dass wir keine freien Mittel für das Projekt haben“. Den Straßenrückbau müsse das Land übernehmen. Das werde so aber nicht akzeptiert. Man war im „guten Glauben“, dass es im Rahmen der Fernpassstrategie eine „Sonderfinanzierung“ geben würde, so Föger. Er wartet nun auf einen weiteren Termin mit dem Land.
Robert Zach von der Landesbaudirektion verweist auf die laufenden Verhandlungen. Grundsätzlich sei es so, dass Gemeinden für Geh- und Radwege, das Land für die Fahrstreifen zahle. Hier müsse man sich treffen. Beim Rückbau der Straße geht es vor allem um den Bau eines breiten Geh- und Radwegs. Die Fernpassstrategie sei jedoch ein Aufhänger gewesen, der Gemeinde stärker unter die Arme zu greifen. Man müsse sich aber auch ans Straßenverkehrsgesetz halten.
Wäre die finanzielle Seite gelöst, wäre es möglich, bereits heuer oder im nächsten Jahr mit dem ersten Baulos zu starten, ergänzt er. Die Grundeigentümer hätten zugestimmt, die Bauverhandlung sei abgewickelt. Geplant sei ein Rückbau in drei bzw. vier Etappen. Für das Land hätte die Ortseinfahrt im Osten Priorität, um den Verkehr zu bremsen.
Eine andere Baustelle ist in der Zwischenzeit bereits fast fertig. „Wir sind bei den Restarbeiten“, erklärt Baubezirksamtschef Günther Heppke, auf die Fußgänger- und Radfahrerunterführung im Tarrenzer Ortsteil Walchenbach angesprochen. Das Bauwerk kostet rund 250.000 Euro und soll bis Ende Juni fertig sein. Restarbeiten wie die Beleuchtung mache man danach, betont Bürgermeister Rudolf Köll. Einen besonderen Dank richtet er an die Grundeigentümer, die die Umfahrungslösung während der heißen Bauphase ermöglicht hatten. Damit habe man Zeit und deshalb auch Geld gespart. Die Kosten teilen sich Land und Gemeinde 50:50.