„Hier zuhause“ - Tiroler Volkskunstmuseum zeigt Migrationsgeschichten

Innsbruck (APA) - Mit der Ausstellung „Hier zuhause. Migrationsgeschichten aus Tirol“ erinnert das Volkskunstmuseum an die Arbeitsmigration ...

Innsbruck (APA) - Mit der Ausstellung „Hier zuhause. Migrationsgeschichten aus Tirol“ erinnert das Volkskunstmuseum an die Arbeitsmigration der 60er- und 70er-Jahre und lädt dazu ein, über Migration als soziale Geschichte nachzudenken. Wie sieht sie aus? Was ist ein Migrationsobjekt? Diesen und weiteren Fragen geht das Projekt nach - und findet dabei bewusst keine abschließenden Antworten, so die Verantwortlichen.

In einem dreistufigen Projekt, das 2016 mit der Ausstellung „Alles fremd - alles Tirol“ begann, sich heuer mit der am Donnerstag eröffneten Ausstellung im Volkskunstmuseum fortsetzt und 2018 mit einer Veranstaltungsreihe im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum abschließt, beschäftigen sich die Tiroler Landesmuseen, das „Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT)“, die Institute Zeitgeschichte und Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck, die Stadt Innsbruck sowie das Land Tirol mit dem Thema Migration in Tirol.

Fotos, Briefe, Musikkassetten, Spielzeug, Werkzeuge, Kleidungsstücke, persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen - mehr als zwei Jahre hat eine neunköpfige Konzeptgruppe, bestehend aus Vertretern der einzelnen Kooperationspartner, an der als Diskussionsraum gestalteten Ausstellung gearbeitet. Den Fokus bilden persönliche Geschichten und Objekte von Migranten, die in Folge des ausgeprägten Arbeitskräftebegehrens österreichischer Unternehmen in den 1960er- und 1970er-Jahren ihre vorwiegend türkische und serbische Heimat verließen und in Tirol nicht nur Arbeit, sondern auch ein neues Zuhause fanden. In der Ausstellung werden Erinnerungen von Zeitzeugen mit Objekten konfrontiert, treffen Kommentare sowohl von Zugewanderten als auch des Konzeptteams auf Gegenstände, die von persönlichen Schicksalen erzählen.

„Tausende Menschen folgten damals dem Ruf der Wirtschaft. Viele davon fanden in Tirol ein bleibendes Zuhause“, hob Gerhard Hetfleisch, Leiter des ZeMiT, am Donnerstag vor Journalisten anlässlich der Ausstellungseröffnung hervor. „Die Zuwanderung dieser Zeit ist ein wesentlicher Teil der Tiroler Identitätskonstruktion“, ergänzte Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen, schließlich seien 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Tirols Menschen mit anderen Staatsbürgerschaften.

Als Skype-Konferenz inszenierte Interviews mit 28 Zeitzeugen bieten Einblicke in die persönlichen Geschichten hinter den Zahlen. Behandelt werden dabei verschiedene Themenbereiche, unter anderem die ökonomische Notwendigkeit der 1960er- und 1970er-Jahre, Menschen für unterschiedliche Arbeiten nach Tirol zu holen, die Probleme der sprachlichen Integration oder auch die unterschiedliche Zugehörigkeit und die vielfältigen Lebensentwürfe der Protagonisten. So werden die Potenziale, Schwierigkeiten und auch stereotype Bilder der Migration thematisiert und in einen persönlichen Kontext gestellt.

„Jede dritte Lebensgeschichte in Großstädten ist eine von Migration geprägte. Auch Innsbruck ist eine bunte Stadt. Die Ausstellung im Volkskunstmuseum trägt dazu bei, dass die Geschichte der Migration in Tirol sichtbar wird“, sagte die Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck, Christine Oppitz-Plörer (FI) im Mediengespräch. Das Projekt setze ein wichtiges Zeichen dafür, dass Zugewanderte und Nicht-Zugewanderte als Teil einer gemeinsamen Tiroler Gesellschaft wahrnehmen und könne zudem Antworten auch auf aktuelle Fragen der Migration geben. Die Ausstellung ist vom 2. Juni bis zum 3. Dezember zu sehen.

(S E R V I C E - www.tiroler-landesmuseen.at)