Corporate America hält nichts von US-Ausstieg aus Klimaabkommen

Wien (APA/AFP) - Trump hin oder her - viele große US-Konzerne haben sich längst dem Klimaschutz verschrieben und werden diese Haltung nicht ...

Wien (APA/AFP) - Trump hin oder her - viele große US-Konzerne haben sich längst dem Klimaschutz verschrieben und werden diese Haltung nicht ändern. „Es gibt den Klimawandel und das ist wissenschaftlich anerkannt“, betonte jüngst Jeffrey Immelt, Chef des Mischkonzerns General Electric (GE). Sein Unternehmen hat sich schon 2015 verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken.

Coca-Cola will seine CO2-Emissionen in den kommenden Jahren sogar um 25 Prozent reduzieren. Apple rühmt sich, in den USA nur noch erneuerbare Energien zu verwenden. Der US-Agrarkonzern Monsanto teilt mit, er fühle sich „verpflichtet“, den Landwirten dabei zu helfen, sich dem Klimawandel anzupassen und seine Folgen zu „entschärfen“.

Sogar die großen Ölmultis haben längst umgeschwenkt. Chevron unterstützt das Pariser Klimaschutzabkommen, weil es der erste Schritt zu einem weltumspannenden Regelwerk ist, wie Sprecherin Melissa Ritchie sagt. ExxonMobil forderte die Regierung von Präsident Donald Trump sogar auf, nicht aus dem Abkommen auszusteigen, „um besser auf die Klima-Risiken reagieren zu können“. Und die Aktionäre des Konzerns forderten die Geschäftsführung am Mittwoch sogar auf, die Geschäftsplanungen stärker an Klimaschutzzielen ausrichten.

Die Technologiekonzerne Google, Intel und Microsoft gehörten Ende April zu den 13 umsatzstarken Unternehmen, die Trump öffentlich zum Verbleib im Pariser Abkommen aufforderten. Die Vereinbarung bringe Wettbewerbsvorteile, trage zum Wirtschaftswachstum bei und schaffe Arbeitsplätze, argumentierten sie. Zu den Unterzeichnern gehörten auch der Chemiekonzern DuPont und der Einzelhandelsgigant Walmart.

Image-Gründe sind das Eine: Auch in den USA sind den Umfragen zufolge viele Menschen besorgt wegen der Klimaerwärmung. Doch wichtiger sind andere Überlegungen in der größten Volkswirtschaft der Welt: „Unternehmen verstärken ihre Klimaschutz-Verpflichtungen, weil sie damit Geld sparen, ihre Risiken reduzieren und, was am wichtigsten ist: Es ist ein enormes Marktpotenzial“, erklärt Kevin Moss vom Umweltschutz-Experteninstitut World Resources.

Beispiel General Electric: „Unsere Kunden, Geschäftspartner und Länder erwarten von uns Technologien, die bei der Stromerzeugung Emissionen verringern, die Energieeffizienz verbessern und die Kosten reduzieren“, sagt Vorstandschef Immelt.

Der Preis für die Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne ist in den vergangenen Jahren kräftig gesunken. Die Kohle, deren Abbau Trump wiederbeleben will, hat dagegen schlechte Chancen. Sogar per Fracking gewonnenes Erdgas ist beim Verbrennen nicht nur klimaschonender, sondern auch viel günstiger. Erdöl ist derzeit zwar auch billig, die Vorkommen sind aber ebenfalls endlich. Mit steigendem Preis werden die fossilen Brennstoffe zunehmend unattraktiv.

Moss vom World Resources Institute ist sich sicher: „Die Unternehmen werden weitermachen, auch wenn Trump das Abkommen aufkündigt.“ Sie täten einfach das, „was alle anderen tun“. Mit einem Ausstieg aus dem Abkommen stünden die USA auch ziemlich einsam da: „Die einzigen Länder, die uns dann Gesellschaft leisten, sind Nicaragua und Syrien.“