Jihadisten-Prozess 2 - Bub schilderte detailliert Hinrichtung

Graz (APA) - Am Nachmittag sind Videos von der Befragung der Kinder der Angeklagten vorgeführt worden. Ein neunjähriger Bub erzählte, wie er...

Graz (APA) - Am Nachmittag sind Videos von der Befragung der Kinder der Angeklagten vorgeführt worden. Ein neunjähriger Bub erzählte, wie er in Syrien bei der Hinrichtung eines Mannes zugeschaut hat, außerdem von DVDs, auf denen ähnliche Szenen zu sehen waren. Er beschrieb auch ganz offen, dass sein Vater eine Kalaschnikow zu Hause hatte und er selbst „beim Fortgehen am Abend“ manchmal eine Pistole bekam.

Der Bub ist der Sohn von Enes S. (38) und Michaela S. (39), die fünf Kinder haben. Er war knapp acht Jahre alt, als er in Syrien mit Waffen und Hinrichtungen konfrontiert wurde. „Ein bis zwei Wochen“ vor der Abreise aus Österreich habe er erfahren, dass die Familie nach Syrien zieht. Man habe aber bald gemerkt „dass es dort nicht so schön ist, wegen der Bombardierung und so“.

Sein Vater sei kein Kämpfer gewesen, er ging nur „zur Massage“, das aber oft länger, ein, zwei Monate, erinnerte sich der Bub. Eine Waffe habe er schon bekommen, „wie jeder, der nach Syrien kommt“. Zuhause gab es eine Kalaschnikow und zwei Pistolen, eine davon trug der Sohn, wenn die Familie am Abend fortging.

Er beschrieb ganz offen, wie er auf dem Heimweg von einer Moschee zufällig bei einer Hinrichtung vorbeigekommen sei. Auf einem Kreisverkehr befand sich ein Mann, der war „eingefangen“ worden, und „dann hat einer gesagt, was der gemacht hat und dann fängt man an zu schlachten“, beschrieb das Kind. „Wie es fertig war, bin ich nach Hause gegangen“, setzt er noch nach. Er sah aus der Nähe, wie dem Mann der Kopf abgeschnitten und die Leiche dann auf ein Auto geworfen wurde „dann schmeißen sie noch den Kopf nach“. „Hast du danach schlafen können?“, fragte ihn die Psychologin, die das Gespräch führte. „Ja, normal“, war die Antwort. „Grauslich“ fände er das schon, gestand der Bub, aber auf die Frage „findest du das normal“ antwortete er „keine Ahnung“.

Dann beschrieb er Schießübungen mit dem Vater, und dass sich die Familie immer wieder neue DVDs - IS-Propaganda-Material - geholt und mit den Kindern angeschaut habe. Der Staatsanwalt hatte diesen Umstand als „Quälen und Vernachlässigen von Unmündigen“ bei beiden Paaren angeklagt. Der Neunjährige bestätigte außerdem, dass sein Vater Kämpfer trainiert hatte. „Mein Papa war Jäger und hat sich mit Sniper-Gewehren ausgekannt“, erzählte er. „War dein Papa auch Scharfschütze?“, wurde das Kind gefragt. „Im Krieg nicht, sonst schon“, antwortete der Neunjährige.

Der Prozess wird morgen, Freitag, um 8.30 Uhr fortgesetzt. Ob es zu einem Urteil kommt, hängt von den Beweisanträgen von Anklage und Verteidigung ab.