Anzeige in Rumänien wegen Misshandlung von Heimkindern im Kommunismus

Bukarest (APA/dpa) - Über ein Vierteljahrhundert nach der Wende in Rumänien werden die massiven Misshandlungen in Kinderheimen während des K...

Bukarest (APA/dpa) - Über ein Vierteljahrhundert nach der Wende in Rumänien werden die massiven Misshandlungen in Kinderheimen während des Kommunismus ein Fall für die Justiz. Das Bukarester Historiker-Institut (IICCMER) erstattete nach eigenen Angaben vom Donnerstag bei der Generalstaatsanwaltschaft Strafanzeige rund um den Tod von insgesamt 771 Kindern, die von 1966 bis 1991 in drei rumänischen Heimen starben.

Kurz nach dem Fall des Kommunismus‘ waren Bilder und Berichte über unmenschliche Zustände in Waisenhäusern um die Welt gegangen. Besonders in Behindertenheimen seien Kinder, die als „nicht heilbar“ eingestuft worden seien, durch Nahrungsentzug, Schläge und mangelnde hygienische Fürsorge misshandelt worden, bestätigte das Institut. Behinderte Menschen hätten im Weltbild der rumänischen Kommunisten als nicht schützenswert gegolten.

Nach Recherchen des Instituts waren die Todesursachen in den meisten der untersuchten 771 Fälle auf Lungenentzündungen, Kopfverletzungen oder Epilepsie zurückzuführen. Insgesamt schätzt IICCMER die Zahl der Todesopfer in den Kinderheimen auf 10.000. Verantwortlich dafür seine „mehrere hundert“ Pfleger und Ärzte, die das Institut aber nicht benannte.

Das IICCMER forscht seit Jahren zu Fällen von politisch motivierter staatlicher Repression während des Kommunismus. Ziel ist es, mutmaßliche Folterer vor Gericht zu bringen. Bisher erreichte das Institut die rechtskräftige Verurteilung von zwei Gefängnisdirektoren aus jener Zeit zu langen Haftstrafen. Das Gericht befand sie für den Tod von Gefangenen infolge von Misshandlungen für verantwortlich.