Schweizer Strombranche erwartet ohne AKW höheres Importrisiko
Bern (APA/sda) - Wegen der wegfallenden Energie aus Atomkraft wird die Schweiz in der Stromversorgung künftig noch stärker vom Ausland abhän...
Bern (APA/sda) - Wegen der wegfallenden Energie aus Atomkraft wird die Schweiz in der Stromversorgung künftig noch stärker vom Ausland abhängig werden. Damit steigen die Versorgungsrisiken. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom).
Die Stromversorgungsqualität war in den vergangenen Jahren ausgezeichnet, sagte Präsident Carlo Schmid-Sutter am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz in Bern.
So hätte die Unterbrechungsdauer für einen Schweizer Endverbraucher in der Grundversorgung im Schnitt nur 19 Minuten betragen. Mit diesem Wert besetze die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz.
Neben der Netzverfügbarkeit benötige es aber auch genügend Energie, sagte Schmid-Sutter. Der schleppende Zubau von erneuerbaren Energien werde die abnehmende Kernkraftwerkkapazität in der Schweiz nicht kompensieren können. Diese Lücke führe zu einem höheren Importbedarf, was zu Versorgungsengpässen führen könne.
Die Bedeutung der Importverfügbarkeit zeigte sich im vergangenen Winter. Laut ElCom mussten wegen des kalten Winterwetters die Speicherreserven in der Schweiz massiv eingesetzt werden. Die Füllstände der Speicherseen sanken in der Folge auf historisch tiefe Niveaus. Zudem fielen die Kernkraftwerke Leibstadt und Beznau 1 zeitweise aus.
Laut dem ElCom-Präsidenten wurden die verfügbaren Importkapazitäten vollends ausgenutzt. Teilweise seien bis zu 5.500 Megawatt importiert worden. Zum Vergleich: Die verfügbare Importkapazität bei voller Kernkraftkapazität der Schweizer Kernkraftwerke beträgt 2.500 Megawatt.
Auch die Situation in Europa war wegen der kalten und trockenen Witterung angespannt. Besonders in Frankreich sei die Lage heikel gewesen, weil mehrere Kernkraftwerke ausfielen und der Stromverbrauch in der Kältephase stark anstieg. Das habe die Verfügbarkeit in der Schweiz eingeschränkt.
Die kurzfristige Versorgungssicherheit in der Schweiz sei gewährleistet, sagt Elcom-Präsident Schmid-Sutter. Auch für den nächsten Winter zeigt sich ElCom zuversichtlich. Unter anderem sei das Kernkraftwerk Leibstadt wieder am Netz und zum anderen dürften auch die französischen Kraftwerke wieder laufen.
Wegen des künftig höheren Importbedarfs dürften sich kritische Netzsituationen aber häufen. Diese Importrisiken können durch den Netzausbau wie beispielsweise die Spannungserhöhung zwischen Bassecourt und Mühleberg oder den Transformator in Mühleberg minimiert werden.
Dennoch werde die Importkapazität maßgeblich durch die Exportbereitschaft der Nachbarländer beeinflusst. Die Situation in diesem Winter habe gezeigt, dass die Verfügbarkeit von ausländischem Strom wegen Ausfällen von Kernkraftwerken oder Netzengpässen nicht immer garantiert sei.
Das Risiko werde sich mit Blick auf die Stilllegung der restlichen Kernkraftwerke in Süddeutschland bis 2022 sowie auf die Verzögerungen beim innerdeutschen Netzausbau noch vergrößern.