Klimaabkommen - Presse: „Kriminelles Vergehen gegen den Planeten“

Washington (APA/dpa) - „Le Parisien“ (Paris):...

Washington (APA/dpa) - „Le Parisien“ (Paris):

„(US-Präsident Donald) Trump leidet an nationalistischen Reizen, das weiß man. Er zeigt alle Symptome: diplomatische Brutalität, Aggressivität beim Handel, Verachtung der internationalen Meinung (und unterschriebener Vereinbarungen), und vor allem diese Vermessenheit zu glauben, dass die Vereinigten Staaten allein auf der Welt sind. Oder dass sie niemanden brauchen, um ihre Herrschaft zu sichern.

Der Planet krepiert langsam an Erstickung, aber Trump zieht sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurück, das von 147 Ländern ratifiziert wurde, darunter den Vereinigten Staaten selbst. Er bestätigt damit erneut, dass er komplett auf das Konzert pfeift, das die Nationen versuchen, zusammen zu spielen. Er bekräftigt seinen Willen zum Isolationismus: America first! Die Entscheidung Trumps ist viel mehr als eine enorme Enttäuschung, viel mehr als eine schlechte Neuigkeit (auch für die Amerikaner). Es ist ein historisches und kriminelles Vergehen gegen den Planeten.“

„De Standaard“ (Brüssel):

„Es kann sein, dass die Auswirkungen von Trumps Entscheidung sich so in Grenzen halten, wie es Experten voraussagen. Dass die Hinwendung zu erneuerbarer Energie nicht mehr aufzuhalten ist und vor allem die Wirtschaft keine Rückkehr zur großen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen will. Es ist möglich, dass die Entscheidung lediglich einen symbolischen Charakter haben wird, da Steinkohle in den USA längst nicht mehr rentabel abgebaut werden kann und US-Staaten wie Kalifornien bei der Nachhaltigkeit noch einen Zahn zulegen werden.

Doch darum geht es nicht. Es geht vielmehr darum, dass die Vereinigten Staaten einseitig ein Versprechen brechen, das sie der Welt gegeben haben. Das ist das politische Äquivalent zu einem ausgestreckten Mittelfinger. Europa kann das nicht als erneute Torheit eines Witzbolds abtun. Die einzig mögliche Antwort auf diese Entscheidung ist, die Illusion aufzugeben, dass die transatlantischen Beziehungen unter dem jetzigen Präsidenten tatsächlich noch freundschaftlich sein können.“

„Liberation“ (Paris):

„Es gibt (mindestens) zwei Arten, die egoistische Blindheit (...) Donald Trumps zusammenzufassen. Die erste ist festzustellen, dass der anachronistische Ausstieg aus dem Pariser Abkommen - trotz seiner offensichtlichen Grauzonen der größte globale diplomatische Deal, der jemals auf den Weg gebracht wurde - ein riesiger Rückschritt ist. Eine Ohrfeige ins Gesicht der Menschheit. (...) Die Pessimisten werden sagen, dass dies eine Angleichung nach unten bei den Versprechen zur Reduzierung der Treibhausgase nach sich ziehen wird, die schon jetzt weit von dem entfernt sind, was notwendig ist, um den Anstieg der Temperatur auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Optimisten werden darin im Gegenteil eine einmalige Chance zur Klärung sehen. (...) Der Brexit mobilisiert Europa neu und regt es wieder an, dieser ‚Amerixit‘ könnte den Rest der Welt dazu bringen, sein Ambitionsniveau zu erhöhen.“

„Jyllands-Posten“ (Aarhus):

„Präsident Trump glaubt, dass er in der Lage sein wird, ein Klimaabkommen neu zu verhandeln, hinter dem 190 Länder stehen, was man im besten Fall als einen naiven Zugang zur globalen Diplomatie verstehen kann, im schlimmsten Fall aber als Ausdruck eines grundlegenden Mangels an Respekt für die Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Arbeitsstunden, die Politiker, Diplomaten, Wissenschaftler und andere in das Klimaschutzabkommen gesteckt haben, das in Paris erzielt wurde. (...) Niemand sollte Präsident Trump anklagen, dass er ‚Amerika zuerst‘ setzt, aber ebenso legitim ist es, dass Amerikas engste Freunde, zu denen Dänemark gehört, alles tun, um zu verhindern, dass die Trump-Ära in ein ‚Amerika zuletzt‘ ausartet.“

„De Telegraaf“ (Amsterdam):

„Die Folge davon ist in jedem Fall, dass Amerika weiter umfangreich Öl, Gas und Kohle fördern wird, um Energie zu erzeugen. Das wiederum hat zur Folge, dass die Preise für diese Rohstoffe niedrig bleiben. Kurzfristig sind Investitionen in die grüne Energiegewinnung daher weniger rentabel. Die UNO-Klimaagentur ist zwar enttäuscht, sie meint aber, die Welt könne auch ohne die USA zur Nachhaltigkeit (bei der Energieerzeugung) übergehen.

Wissenschaftler warnen hingegen in einer Studie vor einem Szenario, bei dem andere Länder dem Vorbild der USA folgen könnten, weil sie erwarten, auf diese Weise Energie billiger produzieren zu können. Sollten mehrere größere Länder diesen Weg gehen, sind die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht mehr zu erreichen. Zudem bedeutet der Abgang der USA, dass der UNO Milliarden von Dollar für Projekte zur Eindämmung des Klimawandels fehlen werden. Mit dem Geld sollten zum Beispiel Länder der Dritten Welt unterstützt werden, die das nicht allein finanzieren können.“