Geplante neue Straße spaltet den Schwazer Gemeinderat
Hinter verschlossenen Türen fiel im Gemeinderat der Beschluss, ein Haus am Pfundplatz zu kaufen, um es für eine neue Straße abzureißen.
Von Angela Dähling
Schwaz –Es könnte ein Fluch in puncto Verkehr sein, fürchten die einen. Es wird ein Segen für die Altstadtbelebung sein, glauben die anderen. Die Rede ist von einem Straßenprojekt, für das vorige Woche in der vertraulichen Sitzung des Schwazer Gemeinderates die Weichen gestellt wurden. Denn mit den Stimmen der ÖVP und SPÖ wurde der Kauf des Hauses in der Fuggergasse 3 beschlossen. Die Grünen und die FPÖ stimmten dagegegen. Und das hat seine Gründe.
Das Haus am Pfundplatz soll nämlich um etwa 400.000 Euro gekauft werden, um dann abgerissen zu werden. Dadurch wäre es möglich, vom Pfundplatz aus eine Stichstraße parallel zur Franz-Josef-Straße zu errichten. Der Bau einer Tiefgarage in der neuen Straße ist geplant. So könnten u. a. Mitarbeiter einer Bank, die derzeit ihre Stellplätze nur über die Fußgängerzone erreichen, künftig hier parken. Ein weiterer Grund: Auf der Grünfläche hinter dem so genannten blauen Graf-Haus in der Franz-Josef-Straße plant der Hausbesitzer, 20 Wohnungen zu errichten. Das ist aber derzeit nicht möglich, weil er weder über eine entsprechende Zufahrt noch über die erforderlichen Stellplätze verfügt.
Durch das Projekt der Stadt wären diese Probleme gelöst. Von einem „Anlasskauf“ spricht daher GV Edi Rieger, als ihn die TT auf die Pläne der Stadt anspricht. Und auch GR Hermann Weratschnig (Grüne) schmeckt es nicht, dass die Stadtgemeinde so einem Privaten den Bau von Wohnungen ermöglichen will. Riegers Fraktion hätte sich mehr Informationen und mehr Überlegungszeit gewünscht. „Ich glaube nicht, dass der Kaufpreis gerechtfertigt ist. Zudem wurde künstlich Druck erzeugt, weil es hieß, das Zeitfenster sei eng. Und dass die Stadt bei dieser einmaligen Chance zur Stadtentwicklung gleich zugreifen müsse“, sagt Rieger. Dabei brauche es noch das Okay eines anderen Anrainers, um die Zufahrt realisieren zu können, gibt er zu bedenken.
GV Viktoria Gruber (Grüne) fordert einen Bürgerbeteiligungsprozess und damit einen offenen Umgang mit der Sache. „Weil von diesem Projekt viele Hausbesitzer und Kaufleute betroffen wären“, sagt sie. Laut GR Weratschnig sei nicht abzuschätzen, wie sich der Verkehr im Bereich Pfundplatz entwickeln würde. Er fragt sich, ob die Franz-Josef-Straße dann wirklich verkehrsfrei werden soll oder die Entlastungsstraße Einzelinteressen von Wohnbauträgern diene. Auch ob private Investoren Kosten für Straße und Tiefgarage übernähmen, müsse geklärt werden.
Bürgermeister Hans Lintner kontert, das Verhindern von Prozessen sei inzwischen Programmatik im Gemeinderat. Man müsse aber auch in die Zukunft blicken und diese gestalten. Die Altstadt solle Lebensraum und kein Museum werden. „Durch diese Entlastungstraße wäre die Wiederbelebung der Franz-Josef-Straße möglich. Neben dem Neubauprojekt wäre auch die Besiedelung des Altbestandes machbar, ohne die Franz-Josef-Straße verkehrsmäßig zu belasten“, sieht Lintner viele Vorteile, die diese zweite Straßenlinie mit Tiefgarage mit sich brächte. Es gebe von vielen Grundbesitzern Zustimmung dafür, aber es sei auch noch einiges zu klären. Dienstag ist die Vertragserrichtung für den Hauskauf in der Stadtratsitzung Thema.