Bauern gegen Pflicht zur Kennzeichnung
Mehr Geld für die Vermarktung von Lebensmitteln, aber keine Kennzeichnungspflicht auf der Speisekarte.
Mayrhofen –In der Erlebnissennerei Zillertal sollen nicht nur Besucher sehen, was alles aus Milch entstehen kann, sondern auch die Agrarlandesräte der anderen Bundesländer. Sie kamen gestern nach Mayrhofen. Beschlossen wurden beim Treffen der Landwirtschaftsreferenten eine bessere Vermarktung heimischer Lebensmittel und zusätzliche Förderungen bei der Hofübergabe.
18 Millionen Euro sollen österreichweit zusätzlich in die Verarbeitung und Vermarktung heimischer Lebensmittel fließen. Zwölf zusätzliche Projekte könnten damit realisiert werden, erklärte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP). In Tirol würden drei Projektwerber profitieren, ergänzte Agrarlandesrat Josef Geisler. Darunter die Käseschneide- und Verpackungsanlage in Schlitters, im Oberland das Zillertal Bier, wo Tiroler Gerste verarbeitet wird, und ein Schlachtbetrieb.
„Die erhöhte Wertschöpfung kommt den bäuerlichen Familienbetrieben zugute“, betonen Rupprechter und Geisler. Durch den Ausbau dieser Unterstützungen würden Gesamtinvestitionen von über 110 Millionen Euro in den Regionen ausgelöst.
„Am Beispiel der Heumilchregion Zillertal lässt sich zeigen, wie positiv sich Aktivitäten in der Verarbeitung und Vermarktung bäuerlicher Spezialitäten auf Landwirtschaft, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung auswirken“, erklärte Geisler. Mehr als 70 Millionen Euro haben allein die milchverarbeitenden Betriebe in Tirol in den vergangenen zehn Jahren investiert, die Hälfte der Investitionen wurde von Kleinsennereien getätigt. Aufbruchsstimmung herrscht in Tirol aber auch im Fleisch-, Obst-, Gemüse- und Getreidebereich. Das Gesamtinvestitionsvolumen 2007 bis 2017 beträgt 140 Millionen Euro.
Rupprechter sieht die Talsohle der Milchkrise als „durchschritten“ an. Es gebe zunehmend positive Preissignale. Die positive Preisentwicklung am Milchmarkt sei eine europaweite Entwicklung, deshalb sei er auch zuversichtlich, dass diese Tendenz anhalte. Heumilch oder Biomilch könnten bessere Preise erzielen und hätten die Krise besser überstanden. Der Konsument sei bereit, bessere Preise zu bezahlen.
Ob dazu auch die Gastronomie bereit wäre, bleibt weiter offen. „Wir haben noch Luft nach oben“, meinte Rupprechter. Eine Kennzeichnungspflicht auf den Speisekarten, damit für den Konsumenten klar ersichtlich ist, woher das Fleisch im Gulasch kommt, lehnen sowohl Geisler als auch Rupprechter ab. Man setze auf positive Signale, auf Information und auf Kampagnen. „Nicht zu viele Vorschriften und nicht zu viel Bürokratie“, erklärten die beiden Bauernvertreter. Die Gastronomie sei bereits durch die Allergenkennzeichnungspflicht belastet.
In öffentlichen Küchen, in Heimen, Spitälern oder Kasernen solle mehr Wert auf die Verwendung von heimischen Lebensmitteln gelegt werden. Ein entsprechender Begutachtungsentwurf liege bereits vor. Rupprechter hofft, „dass man sich darauf noch vor den Wahlen einigen wird können“. Neben den Millionen für die Vermarktung und Verarbeitung gibt es auch mehr Geld bei einer Hofübergabe. Die Existenzgründungsbeihilfe für Junglandwirte werde mit zusätzlichen 15,5 Millionen Euro aufgewertet, hieß es gestern im Zillertal. (aheu)