Mit Youtube-Star die Jugendlichen erreichen
Das Bundesheer geht neue Wege in der Rekrutierung von Nachwuchs. Auf Youtube und Facebook Interesse zu wecken, gehört längst zum Repertoire.
Von Carmen Baumgartner-Pötz
Wien –Die Sommerferien stehen schon fast vor der Tür, für viele Jugendliche sind es die letzten. Doch was kommt danach? Lehre, Universität, Kolleg, Fachhochschule, einfach mal abhängen und ein Jahr auf Weltreise „überlegen“? Eine Karriere beim österreichischen Bundesheer ist nicht unbedingt das Erste, was jungen Menschen einfällt, wenn sie an ihre berufliche Zukunft denken. Das weiß man im Verteidigungsministerium – und hat sich deshalb schon vor einiger Zeit eine Strategie speziell für die wichtige Zielgruppe der 14- bis 24-Jährigen überlegt.
Die Social-Media-Plattformen Facebook, Instagram, Youtube und Flickr dienen dem Bundesheer dabei als starke und zugkräftige Kanäle; alleine auf Facebook bringt es das heimische Militär auf 63.200 Follower und eine Wochen-Reichweite von 400.000 Personen. Wobei es zahlreiche Unterauftritte/Seiten einzelner Bataillone und Kommanden gibt. Zwischen 80 und 90 Redakteure gestalten Beiträge für Facebook, Oberst Michael Bauer, Mediensprecher des Bundesheers, gibt diese frei (oder nicht) und ein weiterer eigener Facebook-Lektor sieht sich die Postings ebenfalls an (Vieraugenprinzip), ob sie den Social-Media-Kriterien des Bundesheers entsprechen.
Vor Kurzem ist dem Social-Media-Team ein besonderer Coup gelungen: Es holte den in Wien wohnenden Youtube-Star Dominik Novritsch (novritsch.com) an Bord und ermöglichte ihm eine 14-tägige Ausbildung zum Scharfschützen. Novritsch, 1993 in Oberösterreich geboren, hat knapp 1,5 Mio. Follower auf dem Videokanal und ist professioneller Airsoft-Spieler. Mit so genannten Airsoftguns bewaffnet bestreitet er Spiele mit bis zu 3000 Teilnehmern in Europa, Russland, Asien und den USA. In Taiwan hat er ein eigenes Gewehr entwickelt.
Wie es ihm in den zwei Wochen beim Bundesheer ergangen ist (er hatte den Grundwehrdienst bereits absolviert), kann man in Youtube-Videos nachsehen (für jeden Ausbildungstag eines). Ausrüstung ausfassen, Gewehr reinigen, durch Schlamm robben, Ziele fixieren und schießen: Über eine halbe Million Aufrufe pro Video hat das schon gebracht.
Die direkte Auswirkung von solchen Kooperationen – Bundesheer vergibt Ausbildung, Youtuber macht darüber Videoblogs – lässt sich freilich schwer genau erheben. Bundesheersprecher Bauer kann keine konkreten Zahlen nennen, weiß aber nach Rückmeldungen aus den Kommanden, dass viele Jugendliche über Social Media zum Heer finden.
Viele Reaktionen hat das Bundesheer auch auf die Teilnahme eines Panzerteams bei der „Strong Europe Tank Challenge“ in Deutschland bekommen. Dafür wurde ein Ankünder-Video auf Facebook gestellt, das in Sachen Kamera und Schnitt locker mit einem Filmtrailer für einen internationalen Action-Streifen mithalten kann. Und doch geht es bei aller Modernität um das ständige Motto des Bundesheers: Schutz und Hilfe, wie es auch am Ende dieses Videos eingeblendet wird.
Heer im Internet
Wer zum Bundesheer will, findet alle Infos auf karriere.bundesheer.at. Das Angebot ist groß; wenn man Berufssoldat oder -soldatin werden will, gibt es drei verschiedene Wege. Außerdem können 35 Lehrberufe beim Bundesheer erlernt werden, derzeit stehen 230 Lehrlinge in Ausbildung – vom Koch bis zum Luftfahrzeugtechniker. Der Frauenanteil unter den Lehrlingen liegt bereits bei über 30 Prozent.
Auf Facebook ist das Bundesheer seit 2014 vertreten, weitere Social-Media-Kanäle, die laufend bespielt werden, sind Instagram, Youtube und Flickr.
Im Fokus der Social-Media-Auftritte stehen junge Zielgruppen, die für den Grundwehrdienst bzw. für eine Karriere beim Bundesheer gewonnen werden sollen. 4 Personen im Ministerium kümmern sich um Aktualität und Weiterentwicklung der Website und der Social-Media-Auftritte.