US-Arbeitslosigkeit auf 16-Jahres-Tief - Doch Jobmotor gebremst

Washington (APA/AFP/Reuters) - Die Arbeitslosigkeit ist in den USA im Mai auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gesunken. Wie das Arbeits...

Washington (APA/AFP/Reuters) - Die Arbeitslosigkeit ist in den USA im Mai auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gesunken. Wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte, fiel die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Sie war damit so niedrig wie seit Mai 2001 nicht mehr.

Nach der offiziellen Statistik gab es im vergangenen Monat in den Vereinigten Staaten 6,9 Millionen Arbeitslose. Im April lag diese Zahl bei 7,1 Millionen.

Allerdings lag der Stellenzuwachs im vergangenen Monat unter den Erwartungen der Experten. Unter dem Strich wurden 138.000 neue Stellen geschaffen. Die Analysten hatten mit 185.000 neuen Jobs gerechnet.

US-Präsident Donald Trump war im Jänner mit dem Versprechen angetreten, der US-Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen und binnen zehn Jahren 25 Millionen Jobs zu schaffen. Allerdings hatte die Erholung des US-Arbeitsmarkts schon lange vor seinem Amtsantritt eingesetzt. Unter Vorgänger Barack Obama sank die Arbeitslosenquote von 10 Prozent im Jahr 2010 auf unter 5 Prozent.

Die Zahlen über die neuen Stellen wurden am Markt so gedeutet, das der Jobmotor doch überraschend ins Stottern geraten ist. Die - von Trump ins Zentrum seiner Wirtschaftspolitik gestellte - Industrie baute sogar Arbeitsplätze ab, ebenso die Einzelhändler und der Staat. Dagegen benötigten vor allem Dienstleister und die Baubranche mehr Mitarbeiter.

Nach den Jobzahlen geriet der Dollar unter Druck, der Euro kletterte auf den höchsten Stand seit November 2016. Auch viele Anleger wurden am falschen Fuß erwischt:

Zweifel am Aufschwung weckte der schwache Jobzuwachs nicht. „Er deutet eher auf Vollbeschäftigung und demografische Probleme in den USA hin“, sagte der Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, Martin Moryson. „Die Babyboomer gehen in Rente und es wachsen vergleichsweise weniger junge Leute nach.“ Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel: „Der größten Volkswirtschaft der Welt geht es nach wie vor gut, Konjunktursorgen sind fehl am Platz.“

Gitzel rechnet deshalb ebenso wie die meisten Experten damit, dass die US-Notenbank (Fed) noch in diesem Monat ihren Leitzins anheben wird. Händler sehen eine 87-prozentige Chance dafür, dass die Fed bei ihrem Treffen Mitte Juni aktiv wird. Sie hatte ihren Leitzins zuletzt im März auf 0,75 bis 1,0 Prozent erhöht. In der zweiten Jahreshälfte dürfte zumindest noch ein weiterer Schritt folgen, sind sich die meisten Experten einig. Die Spekulationen einiger Investoren, wonach die Fed die Zinsen schneller nach oben bewegen könnte, erhielten durch den schwachen Stellenzuwachs einen Dämpfer. Das drückte den Dollar, der bei höheren Zinsen als Anlagehafen an Attraktivität gewinnt.

Für weitere Zinserhöhungen spricht vor allem die sehr niedrige Arbeitslosenquote, die nahezu Vollbeschäftigung signalisiert. Außerdem entstehen in der Wirtschaft immer noch genug Stellen, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten: Dafür reichen nach einer Faustregel 75.000 bis 100.000 neue Jobs pro Monat völlig aus. Dagegen steigen die Stundenlöhne mit 0,2 Prozent nur schwach. „Die Lohnentwicklung bleibt moderat“, sagte Moryson. „Von ihr geht noch kein Druck auf die Inflationsrate aus.“ Die Fed kann steigendem Preisdruck mit höheren Zinsen begegnen.

Die Konjunktur hat nach einem schwachen Jahresauftakt zuletzt an Schwung gewonnen. Stieg das BIP-im ersten Quartal nur mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,2 Prozent, hält der regionale Fed-Ableger von Atlanta im laufenden zweiten Quartal 4,0 Prozent für möglich. Höhere Zinsen können die Gefahr einer Überhitzung eindämmen, da sie Kredite verteuern und damit die Nachfrage drücken.