Jihadisten-Prozess 3 - Schlussplädoyers von Ankläger und Verteidigung

Graz (APA) - Der Staatsanwalt hat in seinem Schlussplädoyer nicht nur auf die Taten der Angeklagten Bezug genommen, sondern malte ein eindri...

Graz (APA) - Der Staatsanwalt hat in seinem Schlussplädoyer nicht nur auf die Taten der Angeklagten Bezug genommen, sondern malte ein eindringliches Bild der islamistischen Methoden, denen die Kinder ausgesetzt waren. Das Anschauen der Propagandafilme der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sei eine „Gehirnwäsche“ gewesen. Einer der Verteidiger sprach von einer „Lehrstunde in reinstem Populismus.“

45 Minuten dauerte der Schlussvortrag des Staatsanwaltes, wobei er schon zu Beginn eine „strenge, wirklich harte Bestrafung“ für die vier Angeklagten forderte. Sie hätten sich dem IS angeschlossen, einer „Bande von Mördern, Vergewaltigern, Sklavenhaltern und wirklich miesen Typen.“ Die Kinder wären von den Eltern „mitleidlos und teilnahmslos“ in diese Ideologie eingeführt worden.

Die Gefahr gehe bereits von bestimmten Glaubensvereinen in Österreich aus, die das Entstehen einer Parallelgesellschaft fördern würden. „Ich will nicht schon wieder diesen Kitsch hören, dass das nur arme Muslime sind, die man am Beten hindert“, wetterte der Ankläger. „Bei den Vereinen ist immer weggeschaut worden, weil man gesagt hat, das ist halt ihre Kultur. Aber die terroristische Vereinigung beginnt hier, wo kleine Kinder so erzogen werden.“ Die Ideologien „werden unerträglich, wenn sie sich zur Religion machen“, war der Staatsanwalt überzeugt. „So viel wie die Inquisition mit dem katholischen Glauben zu tun hat, so viel haben diese Organisationen mit dem Islam zu tun.“

Der Verteidiger der vierten Angeklagten Kata O., die als Einzige in allen Punkten geständig war, rügte den Vortrag als „Lehrstunde in reinstem Populismus.“ Der Ankläger habe nur seine „von nur wenigen Fakten gedeckte Version“ präsentiert, er habe damit „kaum einen Bezug zu unserem Verfahren herstellen könne.“ Seine Mandantin habe jedenfalls ihren Entschluss, mit den drei Kindern ihrem Mann nach Syrien zu folgen „zutiefst bereut.“

Ein Urteil wird für den späteren Abend erwartet.