Brexit

Theresa May verteidigt mit Kraftausdruck vorgezogene Neuwahl

Theresa May und Jeremy Corbyn wird ein neuer Kurs aufgezwungen.
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Weniger als eine Woche vor der Wahl lagen die Tories in den Umfragen zuletzt mit 44 bis 45 Prozent der Stimmen noch immer klar vor Labour mit 36 bis 40 Prozent. Der Abstand zwischen den beiden Parteien verringerte sich in den letzten Tagen aber zunehmend.

London – Mit einem für sie ungewöhnlichen Kraftausdruck hat die britische Premierministerin Theresa May ihre Entscheidung verteidigt, die Parlamentswahl überraschend um drei Jahre vorzuziehen. „Ich hätte diesen Job noch ein paar Jahre machen und keine Wahl anberaumen können. Aber ich hatte die Eier dazu in der Hose (‚I had the balls‘)“, sagte May am Freitagabend bei einer live übertragenen Fernsehdebatte mit Zuschauern im nordenglischen York.

Mitglieder aus dem Publikum hatten der konservativen Regierungschefin vorgeworfen, mit der vorgezogenen Parlamentswahl am 8. Juni ihr wiederholtes Versprechen gebrochen zu haben. Nach ihrem Amtsantritt in Folge des Brexit-Votums hatte May stets Wahlen vor Ablauf des derzeitigen Parlamentsmandats im Jahr 2020 ausgeschlossen.

Kritiker werfen May Kalkül vor

Ihren Meinungsumschwung begründete May im April mit dem politischen Streit über den angekündigten Austritt Großbritanniens aus der EU. Ihre Kritiker warfen ihr jedoch vor, sie wolle von dem erheblichen Vorsprung profitieren, die sie laut Meinungsumfragen vor der oppositionellen Labour Party hatte, um sich ein starkes Wählermandat für die Brexit-Verhandlungen zu sichern. Nach jüngsten Meinungsumfragen liegt der Vorsprung ihrer Partei inzwischen allerdings deutlich unter den damals vorhergesagten 20 Prozentpunkten.

Weniger als eine Woche vor der Wahl stellten sich May und ihr Herausforderer Jeremy Corbyn im BBC-Fernsehen den - durchaus kritischen - Fragen von Zuschauern und Journalisten. Dabei traten sie allerdings hintereinander auf: Die Premierministerin hatte den Vortritt, erst danach kam Labour-Chef Corbin an die Reihe. Ein direktes Duell hatte May abgelehnt.

May und Corbyn loben sich selbst

„Meine Partei ist die einzige Partei, die den Willen des britischen Volkes respektiert“, sagte die konservative Premierministerin Theresa May bei der Fernsehsendung. Sie werde in Brüssel die besten Bedingungen für ihr Land erstreiten. Gute Handelsbeziehungen seien auch im Interesse der verbleibenden EU-Staaten, so May.

Anders als May wurde ihr Gegner Jeremy Corbyn vom Publikum im nordenglischen York mit großem Jubel begrüßt. Der Labour-Chef betonte, dass auch seine Partei ein „großartiges Team von erfahrenen Leuten“ für die Brexit-Verhandlungen habe. Er werde aber nicht auf Konfrontation setzen, sondern auf Kompromisse. So wolle er etwa die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien sofort sichern. Zudem wolle seine Partei auch „gegen das furchtbare Ausmaß der Ungleichheit in diesem Land“ vorgehen. Er wolle ein Vereinigtes Königreich, das weder durch Armut noch durch Rassismus gespalten sei, so Corbyn. (APA/AFP/dpa)