Mercedes

Windfang und Wildfang in einem

Familienaufstellung fortgesetzt: In der erneuerten E-Klasse reicht Mercedes nach dem Coupé das Cabriolet nach.
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Mercedes erweitert mit dem Cabriolet die neu aufgestellte E-Klasse-Baureihe. Zum Start reicht die Leistungsbandbreite des offenen Zweitürers von 194 bis 333 PS.

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Courmayeur –Markante Präsenz durch unaufgeregte Eleganz zeichnet die neu modellierte Mercedes E-Klasse grundsätzlich aus. Im Cabriolet kommt nach dem Coupé ein gar nicht knapp bemessenes Maß an Emotionalität dazu. Die klar gezeichnete, glattlinig fließende Silhouette spricht im mit Stoffverdeck bedachten Viersitzer für sich selbst. Geschlossen wie offen, angesichts unsichtbar gemachter B-Säule. Da muss nichts erklärt werden. Deshalb machten die Stuttgarter nicht allzu viele Worte, sondern luden ein, den neuen Freilüfter ausgehend vom Genfer See in die Bergwelt des Mont-Blanc-Massivs auszuführen.

Zur Auswahl standen jene Motorisierungsversionen, mit denen Mercedes die neue E-Klasse-Cabriolet-Ära eröffnet: V6-Benziner mit 333 PS, kombiniert mit Allradantrieb (E 400 4Matic), 2,0-l-Vierzylinder-Otto mit 245 PS (E 300) und Zweiliter-Diesel (E 220d) mit 194 PS, alle gekoppelt an eine Neunstufen-Wandlerautomatik, sämtlich top ausgestattet, darunter bestückt mit Nackenwärmer (Airscarf) und auf Tastendruck ausfahrendem Windschott (Aircap) sowie belüfteten/beheizten Sitzen.

Zum Auskosten ist zuerst der V6 angetreten. Der durfte zwar auf der Autobahn in Frankreich seine Leistung nicht auf die Spitze treiben (das Überwachungsnetz ist dicht), doch seine Antrittsbereitschaft beim Überholen beweisen. Dabei fällt er in keinerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Die Gangwechsel sind nur dann merkbar, wenn man auf den Drehzahlmesser schaut. Bemerkenswert ist, dass man bei geöffnetem Dach (elektrisch in 20 Sekunden, in Fahrt bis 50 km/h), selbst bei Höchsttempo die Stimme nicht erheben muss. Hinter der Frontscheibe bleibt es still, auch wenn alle Fenster versenkt sind.

Einfangen, respektive zähmen, kann man den Fahrtwind in Sekundenschnelle. Auf Knopfdruck. Da fahren die Seitenscheiben aus, das Windschott stellt sich auf, und dann zupft der Luftzug gerade einmal an den Haarspitzen (Regentropfen werden weggesogen). Egal, ob die Gangart gemessen ist oder forciert. Ersteres kann der offene E so souverän, wie man es von einem Mercedes erwartet. Zweiteres geht auf Abruf. Im Sport- und erst recht im Sport-Plus-Modus kann er zum Wildfang werden, mit nicht zu scharf konfigurierter Lenkung und angemessener Leichtfüßigkeit ab 1935 Kilo sowie geradezu unbeirrbarer Spurtreue, ob in weit langgezogenen oder sich einringelnden engen Kurven. Etwas, das dem Zweiliter ebenfalls zu bescheinigen ist. Im Winkelwerk wirkt der jedoch mit seinen 1780 Kilo spürbar agiler. Seine 245 PS reichen für die gegebenen Tempozugeständnisse jederzeit aus, auch wenn er bei ansteigender Seehöhe doch kurzatmiger wirkt als sein Dreiliter-Bruder.

Ergänzende Anmerkungen: Dass im offenen E nichts knarzt und zittert, das erwartet man. Auch auf der arg strapazierten Asphaltdecke des Mont-Blanc-Tunnels geraten das Fahrwerk – in jedem Modus, von Sport Plus bis Komfort – und damit die Bandscheiben nicht in Erschütterung.

Als Kontrast zum gebirgigen Kurvengenuss hatten die Stuttgarter eine Erkundung des wuselnden Stadtverkehrs von Genf auf dem Programm: Das Mobilitätsmittel dafür: der kleine Neffe des großen offenen Sternes, die elektrifizierte Variante des Smart Cabrios. Der 2,695-Meter-Winzling mit seinen 81 PS spielte an Wendigkeit und Antrittsstärke den 4,826 Meter langen Verwandten gewissermaßen – und säuselnd – an die Wand, angesichts der hochsommerlichen Wetterlage ebenfalls in voller Öffnung.

Die Markteinführung des Sternen-Cabriolets erfolgt im September. Einstiegsmodell ist der 220d, mit einem Ab-Preis von 63.200 Euro. Mit dem elektrifizierten zweisitzigen Verwandten ist ab Frühjahr 2018 zu rechnen. Für ihn ist die Preiskalkulation noch nicht abgeschlossen.

Elektrisierte Verwandtschaft: Tochtermarke Smart offeriert auch für den offenen Zweisitzer einen Alternativ-Antrieb.
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