Bestialisches im zivilisierten Gewand

Eine brachiale Beschleunigung und vorbildliche Gran-Turismo-Manieren gehen eine überzeugende Verbindung im Audi RS 5 Coupé der zweiten Generation ein.

Noch in diesem Monat kommt das RS 5 Coupé von Audi auf den Markt, bestückt mit einem neuen 2,9-Liter-Sechszylinder-Benziner, der dank doppelter Aufladung 450 PS leistet und 600 Newtonmeter Drehmoment stemmt.
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Von Markus Höscheler

Soldeu –Zugegeben, derzeit nähern wir uns Audi mit einigem Vorbehalt: Formensprache, Marktentwicklung und Involvierung in die Dieselkrise bereiten den idealen Boden für anhaltende Kritik. Dass die Vier-Ringe-Marke aber auch anders kann, belegt die zweite Auflage des RS 5 Coupé. Die Designer haben sich liebevoll um kleinste Details (wie kleine Lufteinlässe neben den Frontscheinwerfern) gekümmert, die Techniker haben einen ganz neuen Motor konstruiert, und bei der Positionierung des Fahrzeugs hat sich das Marketing etwas Neues einfallen lassen. Um den zuletzt genannten Punkt als Erstes aufzugreifen: Die Audi-Vertreter behandeln das RS 5 Coupé als Gran Turismo, also als gediegenes Langstreckenfahrzeug mit erstaunlichen Komfortqualitäten. Die wollen wir nicht in Abrede stellen, aber das RS 5 Coupé lässt sich nicht nur darauf reduzieren, sondern kann sich dank einiger Eigenschaften auch mit lupenreinen Supersportwagen messen. Das liegt auch und vor allem am zweiten Argument: dem Motor. Anstelle des zuvor eingesetzten Achtzylinder-Saugbenziners befeuert ein doppelt aufgeladener 2,9-Liter-V6-Ottomotor den Zweitürer, und das recht vehement. 450 Pferdestärken stehen im Extremfall parat, frühzeitig und ausdauernd wirken 600 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle (Normverbrauch: 8,7 l/100 km), die über eine zielsicher und rasch schaltende Achtgangautomatik beide Achsen dank Quattro-Allradantrieb bedient. In 3,9 Sekunden stürmt der 4,72 Meter lange Wagen von null auf 100 km/h, maximal 280 km/h sind möglich.

Die Grundarchitektur für einen passablen Fahrspaß wäre also gegeben, doch Audi hat sich noch mehr angestrengt, um das Fahrerlebnis zu steigern. Zweckdienlich sind die Dynamiklenkung (die im gewählten Dynmikmodus starr und direkt-präzise ausgelegt ist), die Drehmomentverteilung von 40:60 (Vorderachse zu Hinterachse) und die Verwendung von zwei Turboladern. Nebenbei hat sich Audi um variable Ventilhübe und Verstellzeiten gekümmert, um im Teillastbetrieb das Optimum aus Ansprechverhalten, Leistungsausbeute und Kraftstoffverbrauch herauszuholen. Eine optionale Differenzialsperre an der Hinterachse verbessert das Fahrverhalten in zügig durchfahrenen Kehren noch etwas, aufpreispflichtige Keramikbremsen verbessern die ohnehin schon vorhandene Standfestigkeit des Modells.

Das Zusammenspiel der Komponenten bewährt sich im Rahmen der ersten Probefahrt auf den kurvenreichen Gebirgsstraßen im Pyrenäen-Grenzgebiet von Frankreich und Andorra. Souverän, zügig und traktionssicher lassen sich Überholmanöver absolvieren, Kurven brauchen dank der fahrerfreundlichen Lenkkonzeption keine Korrekturen, und das Fahrwerk lässt sich nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Berg- und talwärts empfehlen wir wenigstens den Sportmodus, mit Schaltpaddles hinter dem Lenkrad kann manuell die stimmige Gangwahl erfolgen.

Sosehr sich Audi um das Aggregat gesorgt hat, so genau haben die Ingolstädter auch aufs Interieur geachtet. Nappaleder in bester Verarbeitung ziert das Sitzgestühl, das digitale Instrumentarium (Extra) brilliert erwartungs- und erfahrungsgemäß mit hoher Auflösung, Lichtstärke und einigen Einstellmöglichkeiten. Weniger praktisch ist die Sicht nach hinten ausgefallen, was jedoch angesichts der gewählten Karosserieform niemanden überraschen sollte.

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Für die ganz brenzligen Situationen ist das RS 5 Coupé recht gut gerüstet – dank des serienmäßigen Einbaus einiger Fahrerassistenzsysteme und der Verwendung zeitgemäß erscheinender Technologien. Mit Pre Sense City, Side Assist und Einparkhilfe plus sowie LED-Scheinwerfern ist jedes RS 5 Coupé ab Werk bestückt.

Mit einer ersten Auslieferung rechnet der Importeur bereits in diesem Monat, der Basispreis des Modells beläuft sich auf 99.500 Euro. Wer mehr ausgeben möchte, dem seien die – hier zum Teil beschriebenen – Extras ans Herz gelegt; oder das Warten angeraten auf die in wenigen Tagen stattfindende Weltpremiere der neuen A8-Generation.


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