Polizei erwischte mehr Telefonierer am Steuer
Innsbruck – Die Tiroler Polizei ertappte im Vorjahr 9172 Handysünder am Steuer. Um 456 mehr als noch 2015, allerdings weniger als in frühere...
Innsbruck –Die Tiroler Polizei ertappte im Vorjahr 9172 Handysünder am Steuer. Um 456 mehr als noch 2015, allerdings weniger als in früheren Jahren. 2012 wurden von der Exekutive über 13.000 Autofahrer wegen Telefonierens zur Kassa gebieten, 2011 und 2013 waren es über 12.000.
Bemerkenswerter ist allerdings ein anderes Zahlenspiel: Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) verweist darauf, dass die Anzahl der ertappten Handysünder die der Alkohollenker in Tirol um knapp das Dreifache überstieg. Österreichweit beträgt das Verhältnis sogar vier zu eins. Das Erschreckende daran: Wer am Steuer telefoniert, ist ähnlich unterwegs wie ein Alkohollenker mit 0,8 Promille, die Reaktionszeit steigt um eine halbe Sekunde. Wer beim Autofahren eine Nachricht schreibt oder das Navi bedient, nimmt sogar eine Reaktionsverzögerung von rund zwei Sekunden in Kauf. „Dieser Blindflug führt zu massiv verlängerten Anhaltewegen, was im Ortsgebiet für Fußgänger und hier insbesondere für Kinder und ältere Menschen fatal ist“, meldet VCÖ-Sprecher Christian Gratzer: „Das ist kein Kavaliersdelikt.“ Die derzeitige Strafe von 50 Euro für Handylenker sei in Anbetracht der fatalen Folgen viel zu niedrig. Daher fordert der Verkehrsclub, dass das Telefonieren am Steuer künftig als Vormerkdelikt gilt: „Wie das bereits in zwölf EU-Staaten der Fall ist.“
Gurtenmuffel sind in Tirol noch häufiger anzutreffen als Handysünder: 12.250 wurden im Vorjahr erwischt. Schnellfahrer sind allerdings die häufigste Spezies – fast 600.000 wurden in Tirol geblitzt oder gelasert.
Österreichweit erhielten 105.500 Handylenker von der Polizei einen Erlagschein. Die Dunkelziffer ist weit höher. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit wird nur eines von 3000 Handy-Vergehen von der Polizei geahndet. (TT)