Psychiatrie startete von null auf 100
Psychiatrie-Chef Martin Kurz zieht eine erste Bilanz. Der Ambulanzbetrieb im neuen Objekt des Zammer Krankenhauses St. Vinzenz startet am 3. Juli, die Psychiatrie-Tagesklinik ist ab 16. August geöffnet.
Von Helmut Wenzel
Landeck –Bis 18. April waren Oberländer Psychiatrie-Patienten auf die stationären Einrichtungen in Hall und Innsbruck angewiesen. An jenem Tag setzte das Zammer Krankenhaus St. Vinzenz den ersten Schritt zum Lückenschluss in der medizinischen Versorgung. Das Team mit Primar Martin Kurz startete mit dem Ambulanzbetrieb, vorerst in Ersatzräumen, weil es im Psychiatrie-Neubau einen Wasserschaden gab.
Noch diese Woche übersiedelt das Psychiatrie-Team ins neue Objekt, ab 3. Juli sind die Tore für Patienten geöffnet. „Vorerst haben wir hier einen provisorischen Betrieb“, sagte Spitalsgeschäftsführer Bernhard Guggenbichler am Dienstag. Der Start der Tagesklinik ist für 16. August geplant. Die offizielle Eröffnungsfeier peilt Guggenbichler in der zweiten Septemberhälfte an. Der dritte Schritt, die Einrichtung von 24 Psychiatriebetten am Standort Zams, ist für 2020 geplant.
„In den ersten zweieinhalb Monaten Ambulanz-betrieb hat sich gezeigt, dass die Oberländer keine Berührungsängste mit der Psychiatrie haben“, resümierte Abteilungsleiter Kurz. „Unsere Ambulanz war in kürzester Zeit voll ausgelastet.“ Täglich würden sechs bis acht Patienten behandelt. Zwei Drittel werden laut Kurz von den niedergelassenen Ärzten zugewiesen, ein Drittel kommt aus Eigeninitiative. „Bei den Symptomen dominieren Angst- und Belastungsstörungen, Ursache ist die familiäre, soziale oder die berufliche Situation“, schildert der Abteilungsleiter. Auch mit posttraumatischen Belastungen werde man häufig konfrontiert. Hingegen weniger oft würden die Patienten an klassischen Störungen wie Schizophrenie leiden. Der Anteil an Depressionen sei bisher ebenfalls eher gering. Auch Patienten im fortgeschrittenen Alter habe man behandeln können – etwa zur Abklärung von Altersdemenz oder Altersdepression.
Als Vorteil im Krankenhaus erweist sich die Schmerzambulanz. „Psychische Belastungen werden oft von körperlichen Ursachen ausgelöst“, weiß der Psychiatrie-Chef.
Pflegedirektor Siegmar Tangl hob hervor, Psychiatrie-Patienten würden „von einem multiprofessionellen Team in die Pflege integriert“. Zudem stünden neuerdings zwei Psychiatrie-Genesungsbegleiter zur Verfügung.
Die Psychiatrie in Zams sei in jeder Hinsicht ein Gewinn, betonte Primar Ewald Wöll, Ärztlicher Leiter des Krankenhauses St. Vinzenz. Für Patienten aller Abteilungen, die Betreuungsbedarf durch das Psychiatrie-Team hätten, gebe es jetzt rasche Hilfe.