Taiwan bietet chinesischem Nobelpreisträger Liu Xiaobo Behandlung an

Taipeh/Peking (APA/AFP) - Taiwan hat dem schwer kranken chinesischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Liu Xiabao eine Krebsbehandlun...

Taipeh/Peking (APA/AFP) - Taiwan hat dem schwer kranken chinesischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Liu Xiabao eine Krebsbehandlung angeboten. Liu sei in Taiwan „willkommen“, um sich wegen seiner Krebserkrankung behandeln zu lassen, erklärte Chiu Chiu-cheng vom Rat für Festland-Angelegenheiten, dem für die China-Politik der Insel zuständigen Gremium.

„Wir heißen Liu willkommen, wenn er Taiwan auswählt, und wir werden ihm die bestmögliche medizinische Versorgung ermöglichen“, sagte Chiu. Taiwan habe viel Erfahrung mit der Behandlung von Leberkrebs.

Das Verhältnis zwischen China und Taiwan ist angespannt. China sieht Taiwan seit dessen Loslösung von Peking 1949 als abtrünnige Provinz an und fordert die Wiedervereinigung. Viele chinesische Dissdenten leben im Exil in Taiwan. Unklar ist allerdings, ob Liu ins Ausland reisen darf. Sein Anwalt Mo Shaoping hatte am Montag gesagt, Menschen, die aus medizinischen Gründen aus der Haft entlassen werden, sei dies normalerweise nicht erlaubt. Möglich sei eine Behandlung im Ausland nur, wenn Liu als „Sonderfall“ eingestuft werde.

Der chinesische Dissident Wang Dan, ein Anführer der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz, kontaktierte nach eigenen Angaben das deutsche Auswärtige Amt in Berlin mit der Bitte, Liu eine Behandlung in einem deutschen Krankenhaus zu ermöglichen.

Die chinesischen Behörden hatten den 61-jährigen Liu wegen seiner unheilbaren Leberkrebserkrankung aus der Haft entlassen. Er war 2009 wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Jahr später wurde der Schriftsteller und Menschenrechtler mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Entgegennehmen konnte er die Auszeichnung nicht.