Frank und frei und fort - Das Team Stronach ist Geschichte

Wien (APA) - Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden sollen, geworden ist daraus eine innenpolitische Fußnote. Nach fünf Jahren ist das Team ...

Wien (APA) - Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden sollen, geworden ist daraus eine innenpolitische Fußnote. Nach fünf Jahren ist das Team Stronach des gleichnamigen Austro-Kanadiers Geschichte. Dabei hatte es sich der Milliardär mit Hang zur Selbstinszenierung so schön vorgestellt: Bis zur Kanzlerschaft sah er sich bei der Gründung aufsteigen. Nun hat er das Interesse verloren und die Partei eingestampft.

Die Gerüchteküche kochte schon Monate zuvor über. Magna-Gründer Frank Stronach, in seiner Wahlheimat Kanada bereits politisch mit einer eigenen Liste gescheitert, könnte die österreichische Innenpolitik aufmischen. Im August 2012 ließ er endlich die Katze aus dem Sack, 20 bis 30 Prozent wolle er bei der Nationalratswahl in einem Jahr machen. „Ich bin kein Politiker“, machte er gleich zu Beginn klar und blieb auch als Parteichef eher Beobachter und Sponsor als aktiver Player.

Am 25. September wurden die Satzungen für das „Team Stronach“ hinterlegt, zwei Tage später folgte die opulente Präsentation der Partei: „Der 27. September 2012, da bin ich sicher, das ist ein sehr wichtiger Tag, der in die Geschichte Österreichs eingehen wird und der auch in die Geschichte der Welt eingehen wird.“ Politische Beobachter spekulierten, dass die neue Bewegung gar Schwarz-Blau verhindern und wirtschaftliche Impulse geben könnte.

Ein Votum brauchte es für die neue Partei vorerst nicht. Denn dem Lockruf des Milliardärs folgten der Kärntner SPÖ-Nationalratsabgeordnete Gerhard Köfer, sowie einstige Abgeordnete des BZÖ. Vorwürfe des Stimmenkaufs wurden zurückgewiesen, der so entstandene Klub wurde im Nationalrat anerkannt. Robert Lugar, der das Projekt bis zuletzt am Leben erhalten hat, war nun Klubobmann. Länderorganisationen wurden gegründet - und zerstritten sich bereits in den Anfangstagen.

Auch seine ersten Gehversuche unternahm das Team Stronach in den Ländern: Bei der Landtagswahl in Kärnten erreichte Spitzenkandidat Köfer im März 2013 immerhin 11,18 Prozent und avancierte dank Proporzsystem zum Landesrat. In Niederösterreich kam Stronach selbst als Spitzenkandidat auf 9,84 Prozent, sein Mandat nahm er nicht an. In Tirol verpasste das Team Stronach den Einzug in den Landtag, in Salzburg wurde Hans Mayr Landesrat in einer frei gebildeten Dreier-Koalition.

Die Nationalratswahl rückte näher, Stronach war Spitzenkandidat, den Weg dorthin bestritt er mit mehr oder weniger skurrilen Fernsehauftritten, die Moderatoren und Publikum oft ratlos zurückließen. Auf der Liste befand sich auch die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner, die dem Team aber wieder den Rücken kehrte - die ihr zugedachte Rolle als „Speerspitze“ gegen den öffentlich-rechtlichen ORF behagte ihr doch nicht. Am 29. September 2013 zog das Team Stronach mit 5,7 Prozent - weit unter den Erwartungen Stronachs - in den Nationalrat ein.

Die einzige Legislaturperiode des Team Stronach war danach von zuweilen herzhafter Sachpolitik geprägt, wobei die Themen der anfangs elf Abgeordneten vom Kampf gegen Palmöl über chaotische Pfefferspray-Verteilaktionen bis hin zu Initiativen für ein liberaleres Waffenrecht reichten. Schlagzeilen machten allerdings die Kalamitäten, die vor allem in den Ländern für Trennungen, Abspaltungen und Alleingänge sorgten. Allen voran in Niederösterreich.

Die Dauerturbulenzen im Team Stronach - unter anderem wurden die Klubchefs im Nationalrat drei Mal ausgetauscht - machte sich die ÖVP zunutze. Nach und nach wurden Abgeordnete abgeworben, darunter Stronachs engste Vertraute Kathrin Nachbaur. Am Ende sollten nur mehr sechs Mandatare im Nationalrat sitzen, darunter die ehemalige Miss World Ulla Weigerstorfer. Der Unmut wurde lauter, selbst mit Rücktrittforderungen der eigenen Leute sah sich der Parteigründer konfrontiert.

Stronach selbst antwortete mit permanentem Liebesentzug. Bereits kurz nach der Nationalratswahl hatte er - wohl aus Enttäuschung über das Ergebnis - angekündigt, sich nach und nach aus der Partei zurückzuziehen. Erfolglose Landtagswahlen trugen das Ihre bei. Der Rückzug sollte Jahre andauern, vor allem die Geldflüsse versiegten. Vor einem Jahr kündigte Stronach dann an, sich mit der kommenden Nationalratswahl aus der Politik zurückziehen zu wollen, denn: „Mir liegt Österreich sehr am Herzen, aber ich habe ein gewisses Alter.“

Seinen Höhepunkt erreichte die Kindsweglegung am Dienstag dieser Woche, als Klubchef Lugar die Auflösung der Partei und den Verzicht auf eine Wiederkandidatur bekannt gab. Was bleibt, ist ein international erfolgreicher und um Anerkennung in seiner Heimat buhlender Wirtschaftsunternehmer, dessen politisches Projekt am Ende gescheitert ist.

Ob der 84-jährige Selfmade-Man fortan leisere Töne anschlägt, wird sich zeigen. Ganz nach seinem Motto „Frank und frei“ könnte er zumindest noch einmal für Unterhaltung sorgen - beim ORF-“Sommergespräch“ am 31. Juli, für welches Stronach seine Teilnahme zugesagt hat.

(Grafik 0668-17, Format 88 x 78 mm)

~ WEB http://www.teamstronach.at/ ~ APA213 2017-06-28/11:51