Shades of Grün - Partei aus vielen Strömungen
Wien (APA) - Grün war nicht immer Grün. Nicht nur, seit Peter Pilz nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat mit einer eigenen Liste liebä...
Wien (APA) - Grün war nicht immer Grün. Nicht nur, seit Peter Pilz nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat mit einer eigenen Liste liebäugelt. Erst der Einzug ins Parlament einte die Bewegung, die seit jeher aus unterschiedlichen Strömungen zusammenfloss. Ausgangspunkt sind verschiedene Bewegungen und Initiativen der 1970er, die sich der gesellschaftlichen Öffnung und dem Umweltschutz verschrieben hatten.
Erst bei der Wahl 1986 traten die Grünen unter Freda Meissner-Blau erstmals gemeinsam an. Drei Jahre zuvor hatten die „Alternative Liste Österreichs“ (ALÖ) und die bürgerlichen „Vereinten Grünen Österreichs“ (VGÖ) noch getrennt den Einzug ins Hohe Haus angestrebt, beide waren gescheitert. Erfolg hatten Bemühungen um eine gemeinsame Liste zunächst auf Landesebene, in Vorarlberg schafften die Grünen unter Kaspanaze Simma den Einzug in den Landtag.
Die Wurzeln der Grünen reichen viel weiter zurück, erste Lebenszeichen gab es in der Bewegung gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf 1978. Umweltschützer, Friedensbewegte und ehemalige SPÖ-Linke bildeten die Kerntruppe der neuen Bewegung. Als Katalysator diente dann der Protest und die Au-Besetzung gegen das Donaukraftwerk Hainburg 1984. Von der Gründergeneration ist heute ausgerechnet nur noch Peter Pilz im Parlament vertreten.
Die Umweltpartei war schon in den Anfangsjahren von personellen Querelen und dem Aufeinanderprallen des linken und bürgerlichen Flügels - Fundis und Realos - gekennzeichnet. Schon ein Jahr nach dem Wahlerfolg 1986 spaltete sich die Wahlplattform aus Grün-Alternativen, VGÖ, Bürgerinitiative Parlament und weiteren Grüngruppen. Zu weiteren Zwistigkeiten kam es 1988, als Meissner-Blau aus Enttäuschung über die Grenzen des Parlamentarismus als Klubobfrau zurücktrat.
Bei der Nationalratswahl 1990 gab es mit Monika Langthaler, Madeleine Petrovic, Johannes Voggenhuber und Severin Renoldner gleich vier Spitzenkandidaten. Anfang 1992 kam es wieder zu personellen Querelen, als Klubobmann Voggenhuber zurücktrat und Petrovic Klubobfrau wurde. Auch später war Voggenhuber für parteiinternen Aufruhr gut - zuletzt 2009, als er nicht mehr als Spitzenkandidat in die EU-Wahl geschickt wurde und verbittert mit der Partei unter Eva Glawischnig abrechnete.
Ins Bild passen auch die jüngsten Streitereien mit der offiziellen Jugendorganisation, den Jungen Grünen. Deren Spitze hatte sich mit der einstigen Parteichefin Glawischnig verkracht und deren Rücktritt verlangt. Auslöser war die fehlende Unterstützung der neuen Liste Grüne Studierende bei den Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft durch die Bundespartei. Nach dem Ausschluss der jungen Funktionäre gaben diese eine gemeinsame Kandidatur mit der KPÖ bei der Nationalratswahl bekannt.
Der Politikwissenschafter Peter Filzmaier sieht gegenüber APA die Causa Pilz dennoch nicht vergleichbar mit vergangenen Abspaltungen. Denn: Die Grünen liebäugelten mittlerweile mit einer Regierungsbeteiligung, was in den 1980ern und 1990ern noch nicht der Fall gewesen sei: „Das ist schon eine Zäsur.“ Das Wahlbündnis „KPÖ Plus“ mit den Jungen Grünen sieht Filzmaier nicht als ernst zu nehmende Gefahr für die Oppositionspartei, zu schwach sei das Potenzial der Kommunisten.
~ WEB http://www.gruene.at ~ APA278 2017-06-28/12:55