Justiz und Kriminalität

Nach Massenpanik in Turin: Justiz ermittelt gegen Bürgermeisterin

Über 30.000 Fans wollten am San-Carlo-Platz ein Fußballfest feiern, das in Panik und Entsetzen endete.
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Mehrere Klagen trafen gegen die Stadtverwaltung ein, deren Sicherheitskonzept lückenhaft gewesen sei, lautet der Vorwurf.

Turin – Die Massenpanik in Turin während des Public-Viewings anlässlich des Fußball-Champions-League-Finales zwischen Juventus Turin und Real Madrid (1:4) am 3. Juni könnte der Bürgermeisterin der Stadt, Chiara Appendino, zum Verhängnis zu werden. Die Turiner Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung gegen die Bürgermeisterin wegen organisatorischer Mängel bei der Organisation des Public Viewings ein.

Ermittlungen laufen auch gegen zwei Manager von Gesellschaften, die im Auftrag der Gemeinde die Live-Übertragung des Spiels organisiert hatten, berichteten italienische Medien. Bei der Massenpanik auf der zentralen Piazza San Carlo im Herzen der norditalienischen Stadt war eine 38-jährige Frau ums Leben gekommen, 1526 weitere Personen wurden verletzt.

Schwerer Imageschaden

Augenzeugen klagten über mangelnde Fluchtwege auf dem Platz, auf dem sich am 3. Juni 30.000 Juventus-Fans versammelt hatten. Außerdem habe die Stadt kein Verbot verhängt, Glasflaschen auf den Platz zu bringen. Die meisten Fans verletzten sich im Gedränge an den Scherben von Flaschen, die illegal von fliegenden Straßenhändlern verkauft wurden. Als Feuerwerkskörper losgingen und Rufe ertönten, dass eine Bombe explodiert sei, war Panik auf dem Platz ausgebrochen. Die Menschen versuchten zu fliehen, im Gedränge stürzten viele zu Boden und wurden niedergetrampelt.

Die Ermittlungen sind ein schwerer Imageschaden für die vor einem Jahr gewählte Bürgermeisterin der populistischen Fünf Sterne-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo. Die 33-Jährige war bisher im Gegensatz zu ihrer römischen Parteikollegin, Bürgermeisterin Virginia Raggi, wegen ihrer Effizienz gelobt worden. (APA)