Wackers Fußball-Casting wirbelt viel Staub auf
Die Wacker Juniors steigen in der neuen Saison ins Fußball-Unterhaus ein. Daher interessieren sich die Schwarzgrünen auch für externe Spieler.
Von Tobias Waidhofer
Innsbruck – Der Stein des Anstoßes war ein Casting-Aufruf. Kurz nachdem der Tiroler Fußballverband grünes Licht für den Einstieg einer dritten Wacker-Kampfmannschaft in die unterste Tiroler Fußball-Liga gegeben hatte, lud der Traditionsverein auf seiner Homepage Spieler der Jahrgänge 1999 und jünger zu einem „Spieler-Casting“ ein. Eine Tatsache, die vielen kleinen Unterhaus-Vereinen sauer aufstieß.
„Diese Vorgangsweise ist ein Skandal“, findet zum Beispiel Matthias Waldegger, Sportlicher Leiter beim SK Rum. „Der FC Wacker hat in seinen Nachwuchs-Kadern mindestens 40 Spieler, die für diese Kampfmannschaft spielberechtigt wären. Und dann schreiben sie so ein Casting hochoffiziell auf ihrer Homepage aus“, schüttelt der Funktionär auf Nachfrage den Kopf.
Nicht jeder 15-Jährige für Kampfmannschaft geeignet
Peter Person, Nachwuchsleiter des FC Wacker, ist naturgemäß anderer Meinung: „Der Stamm der Wacker Juniors besteht aus zwölf bis 13 Spielern unserer U18.“ Natürlich käme man mit den Spielern aus den 2001er-Jahrgängen auf mindestens 30 Akteure, aber man könne nicht „jeden 15-Jährigen jetzt schon in eine Kampfmannschaft integrieren“. Auch den Casting-Aufruf – der ist inzwischen übrigens auch auf Drängen des Tiroler Verbandspräsidenten Josef Geisler von der Homepage verschwunden – verteidigt Person: „Ich finde es legitim, das auf der eigenen Homepage zu machen.“ Stattgefunden hat das „Casting“ freilich nie, viele Nachwuchsakteure hätten aber von sich aus für ein Probetraining angefragt.
„Dieser Aufruf auf der Wacker-Homepage hat mir nicht gefallen“, erklärt derweil TFV-Präsident Geisler. „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn jetzt kleinen Vereinen die Spieler abgeworben werden. Es wird sicher keine Zwangsverpflichtungen in diesem Zusammenhang geben“, stellt der Zillertaler klar.
„Ich verstehe ja, dass der FC Wacker die besten Spieler haben will“, beginnt Rum-Obmann Robert Kogelbauer. „Aber für mich liegt die Hauptschuld beim Verband. Denn die Sondergenehmigung für den FC Wacker wurde bei einer Präsidiumssitzung erteilt. Das sollten eigentlich die Vereine entscheiden.“ Kogelbauer fühlt sich vom zuständigen Bezirksobmann „nicht ausreichend vertreten“.
„Grundsätzlich sind alle Vereine im Präsidium des Tiroler Verbandes vertreten und haben damit auch eine Stimme“, antwortet Verbandspräsident Geisler. „Die Bezirksobmänner wissen im Vorfeld, welche Punkte auf der Tagesordnung stehen. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie mit den Vereinen Rücksprache halten.“
Spielgenehmigung für ein Jahr
Die Entscheidung pro FC Wacker sei jedenfalls „nicht einstimmig gewesen. Wir haben die Vor- und Nachteile abgewogen. Und dann gesagt: Das schauen wir uns jetzt ein Jahr an.“ Die Spielgenehmigung ist vorerst auf eine Saison befristet, außerdem gebe es „ein strenges Korsett, an das man sich halten muss. Ich habe kein Verständnis, wenn der FC Wacker jetzt proaktiv auf Vereine zugeht.“
Auch bei der SPG Rinn/Tulfes gab es Wacker-Gerüchte um einen Akteur, der jetzt doch im Mittelgebirge bleiben wird. Der dortige Sportliche Leiter Christoph Junker sieht das Ganze nüchtern: „Im Prinzip ist keiner an uns herangetreten. Aber wenn ein Spieler zum FC Wacker gehen will, werden wir ihm keine Steine in den Weg legen.“ Und auch sein Rumer Pendant Matthias Waldegger schließt versöhnlich: „Prinzipiell finde ich die Idee einer dritten Wacker-Kampfmannschaft gut.“
Wackers Peter Person will die Vorteile herausstreichen: „Wir bieten Spielern die Möglichkeit, in den oberen Bereich zu kommen. Wenn es ein Spieler nicht schaffen sollte, muss er wegen der Altersregelung (nur Jahrgang 1999 und jünger, Anm.) zurück zum Stammverein. Der kriegt dann einen besser ausgebildeten Spieler. Schafft es der Spieler, fließt Geld.“ Das Trainerteam (Christian Stoff/Andreas Gretschnig) soll für diese Entwicklung verantwortlich zeichnen, auch Cheftrainer Karl Daxbacher leitete jüngst eine Einheit.