Ö-Tour startet mit einer Handvoll Außenseiter
Nach der Rückkehr zur höheren Tour-Kategorie (HC) startet am Sonntag die Österreich-Radrundfahrt in Graz. Angeführt von Stefan Denifl träumen sechs Tiroler von Spitzenplätzen – doch wer lässt das Realität werden?
Von Roman Stelzl
Innsbruck – Die Zeiten sind vorbei, als mit Thomas Rohregger ein Tiroler das Kommando bei der Österreich-Radrundfahrt vorgab. Seit dem Ö-Tour-Erfolg des Kramsachers 2008 sind neun Jahre vergangen – seither verpassten die heimischen Fahrer bis auf den Triumph des Oberösterreichs Riccardo Zoidl 2013 stets das Podest der besten drei der Gesamtwertung.
Wer könnte das heuer besser machen? Die TT nimmt die sechs Tiroler sowie die weiteren österreichischen Spitzenplatz-Kandidaten vor dem zeitgleichen Start der Ö-Tour mit der Tour de France (2. Juli) unter die Lupe.
Stefan Denifl: der Mann, um den sich aus heimischer Sicht vieles dreht. Und dennoch: Die Form passt beim 29-jährigen Stubaier noch nicht wie gewünscht. Nach dem kurzfristigen „Rauswurf“ vor der Tour de Suisse war die Enttäuschung groß – einzig der siebente Platz bei der österreichischen Meisterschaft gab Auftrieb. „Es war mein erstes Rennen nach einer vierwöchigen Rennpause und ein guter Formtest. Ich habe ein gutes Gefühl, dass ich der Sache näherkomme“, meinte Denifl, der dreimal schon unter den Top Ten der Gesamtwertung war. Seine Chancen auf einen Spitzenplatz sind heuer geringer.
Clemens Fankhauser: Das Gleiche gilt für den hinter Denifl zweiterfolgreichsten aktiven Tiroler Fahrer. Der 31-jährige Zillertaler vom Tirol Team macht keinen Hehl daraus, dass die Saison für ihn ganz und gar nicht nach Wunsch verläuft. „Es wurden mir zu viele Steine in den Weg gelegt, deshalb sind die Ziele bescheiden“, meinte Fankhauser. Bestes Resultat heuer: Rang elf bei der Oberösterreich-Rundfahrt.
Patrick Gamper: Viele Hoffnungen ruhen auf dem Radjuwel aus Tirol, der im Vorjahr schon einer der jüngsten Fahrer der Ö-Tour war. Nach Rang sechs bei der Einzelzeitfahr-Meisterschaft und den starken Ausreißer-Auftritten bei der Tour of the Alps spricht seine Form für starke Auftritte. „Die Ö-Tour dürfte mir heuer besser liegen. Es sind bis auf das Kitzbüheler Horn und die Glockneretappe wenig Berge dabei“, sagt der 20-Jährige und ergänzt: „Das Rennen ist stark besetzt nach der Aufwertung zur HC-Kategorie. Es wird schwierig.“
Benjamin Brkic: Nach dem „verpassten U23-Titel“ (O-Ton Tirol-Team-Manager Thomas Pupp) bei der Straßenrad-Meisterschaft soll der 20-jährige Tiroler bei der Ö-Tour aufzeigen. Sofern er aus der Helferrolle für die Kollegen schlüpfen darf.
Maximilian Kuen: der Mann für die Berge im Tirol Team. „Er hat sich in den letzten Wochen gut präsentiert“, sagt Team-Manager Pupp über den 25-jährigen Kufsteiner, der im Vorjahr Vierter der Bergwertung wurde. „Ich bin froh, dass die Bergetappen heuer erst am Ende sind. Das hält die Spannung hoch“, meinte Kuen vor der fünften Ö-Tour-Teilnahme.
Patrick Bosman: Der 23-jährige Kramsacher vom Team Hrinkow Advarics ist nach seinem Unterarmbruch im März wieder guter Dinge. Bei den österreichischen Meisterschaften kam Bosman zuletzt nicht ins Ziel.
Weitere Österreicher: Hinter den vorrangig internationalen Favoriten, die wohl erneut das Rennen machen, taucht „Ex-Glocknerkönig“ Felix Großschartner auf. Der 23-jährige CCC-Pilot (neben Denifl der einzige „Legionär“) zeigte beim Giro d’Italia und der Kroatien-Rundfahrt auf. Sein Vorteil: Die Bergetappen kommen erst am Schluss.
Zu beachten sind auch Ex-Mountainbiker Hermann Pernsteiner (im Vorjahr Sechster) und Markus Eibegger (Siebenter), den Ton angeben sollen aber andere.