A4-Flüchtlingsdrama - Komplize beruhigte Fahrer: Geht Insassen gut
Kecskemet (APA) - Die beiden Chefs der Bande sowie der Begleitfahrer hätten dem 26-jährigen Lenker des Kühl-Lkw mehrmals verboten zu stoppen...
Kecskemet (APA) - Die beiden Chefs der Bande sowie der Begleitfahrer hätten dem 26-jährigen Lenker des Kühl-Lkw mehrmals verboten zu stoppen. „Ich durfte nicht anhalten, ich musste sogar in der Lkw-Fahrerkabine urinieren“, legte er in seiner Aussage, die schriftlich verlesen wurde, dar. Besonders dreist: Der Vize-Chef habe behauptet, „ich stehe in Kontakt mit den Insassen“. Es gehe ihnen gut.
Laut Überwachungsprotokoll telefonierte der 26-Jährige mehrmals mit seinen Komplizen. Er berichtete des öfteren über die Schreie und das Trommeln der Flüchtlinge auf der Ladefläche. „Ich wusste nicht, dass die Insassen in Gefahr sind“, meinte er in seiner schriftlichen Aussage. Der Drittangeklagte, der den Transport begleitet hatte, behauptete demnach, in der Lkw-Wand sei ein Loch zu sehen, durch das jemand einen Finger gesteckt habe - also hätten die Flüchtlinge genug Luft. Auch der Vize-Chef habe den Fahrer beruhigt, dass die Insassen - um mehr Luft zu bekommen - die Gummidichtung des Fahrzeugs entfernt hätten.
Der 30-jährige Bulgare behauptete zudem laut dem 26-Jährigen, dass er in Kontakt mit den Flüchtlingen stehen würde. Er hätte den Menschen auf der Ladefläche gesagt, dass sie keinen Lärm mehr machen sollen. 20 Minuten später war dann Ruhe. Der Lkw-Fahrer habe geglaubt, dass dies aufgrund der Anweisung des Vize-Chefs geschah. In Wahrheit waren alle 71 Flüchtlinge erstickt.
Nach einer kurzen Pause sollte der Todes-Lenker persönlich vor Gericht aussagen.