Bezirk Landeck

Als vor 125 Jahren das Wirtshaus Grisch abbrannte

Altes Löschgerät der Kappler Feuerwehr – die fahrbare Vier-Mann-Spritze aus dem Jahr 1892. Rechts eine Zwei-Mann-Button-Spritze.
© Werner Prantauer

Verheerende Brände Ende des 19. Jahrhunderts führten zur Gründung der Feuerwehr in Kappl. Heimatforscher hat Originalberichte gesichtet.

Von Helmut Wenzel

Kappl –Die Freiwillige Feuerwehr Kappl hat „125 Lenze auf dem Buckel“, das Jubiläum haben Kommandant Johann Gander und seine Truppe vor wenigen Tagen im Beisein von LH Günther Platter gefeiert – die TT berichtete.

Über die Gründungszeit nachgeforscht hat Paznaun-Kenner Josef Walser. Er hat u. a. einen Bericht über den Brand des Wirtshauses in Grisch in den Neuen Tiroler Stimmen gesichtet.

Gottfried Ladner war die treibende Kraft bei der Gründung der Kappler Feuerwehr 1892.
© Bildarchiv Walser

In der Ausgabe Nr. 204 vom 7. September 1892 schrieb der Kappler Kurat Alois Wassermann: „In der Nacht vom 2. auf 3. September brannte das Bäcker- und Gasthaus des Anton Lusch, das sich als einsame Waldschänke zwischen Kappl und Ischgl befindet, vollständig nieder. Ein Schwein und 19 Hühner fanden in dem unglaublich rasch um sich greifenden Feuer den Tod. Während bei vollkommener Windstille und Einsamkeit des Hauses für andere Gebäude jede Gefahr ausgeschlossen war, drohte dieselbe umso mehr dem nahen Walde. Diese wurde jedoch hauptsächlich durch die neu errichtete Feuerwehr von Ischgl, die sich hier das erste Mal erproben konnte, dank der ausgiebigen Spritze glücklich abgewehrt, wofür derselben der aufrichtige Dank gebührt. Für Kappl sind zwei neue Feuerspritzen unterwegs und es wird ebenfalls die Errichtung einer Feuerwehr geplant, was angesichts der vielen Brände seit 1887 ein notwendiges Erfordernis ist. Für die Ortschaft Kappl selbst würde sich wohl die Herstellung von Hydranten empfehlen, welche vom Diasbach zu jeder Zeit mit hinreichender Wassermenge versehen würden und mit verhältnismäßig geringen Kosten hergestellt werden können.“

Der Hinweis von Wassermann zum Jahr 1887 bezieht sich auf den verheerenden Brand vom 18. Juni, als eine Feuersbrunst 16 Wohnhäuser samt Nebengebäuden zerstörte. Dabei wurden 17 Familien obdachlos, „und eine Weibsperson ist aus Schrecken gestorben“, heißt es in einem der Berichte. Wie machtlos die Kappler vor Gründung der Feuerwehr gegenüber Großbränden waren, zeigen zwei weitere Katastrophen. So hat der Brand vom August 1793 in Außerlangesthei, der laut Walser nur mündlich überliefert ist, elf Häuser eingeäschert. Die meisten Bewohner sollen sind bei der Heuarbeit auf den hochgelegenen Bergwiesen aufgehalten haben. Dichter Bodennebel soll den Blick ins Tal bzw. auf Außerlanges-thei verhindert haben. 1809 brannte der gesamte Weiler Glitt nieder, als Landesverteidiger Pulver über dem Feuer rösten wollten.

Treibende Kraft bei der Feuerwehr-Gründung war Gemeindevorstand Gottfried Ladner „Lenza“. Die nötigen Vorbereitungen hatte er 1892 getroffen. Noch im selben Jahr wurde er vom Gemeindeausschuss zum ersten Kommandanten bestellt.

Der Kappler Kommandant Johann Grander hob kürzlich bei der Jubiläumsfeier hervor: „Verantwortungsbewusste Kommandanten und Kameraden haben mit viel Einsatz und Weitblick dafür gesorgt, dass wir heute gut ausgerüstet unserer Pflicht nachkommen können. Meine Aufgabe ist es zu sorgen, dass die Schlagkraft unserer Feuerwehr erhalten bleibt, um auch in den nächsten 125 Jahren stets gerüstet zu sein.“

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