Toleranzgrenzen des Waldes vermessen
Trockenheit setzt den Wäldern zu. Ein neues Forschungsprojekt soll jetzt Auskunft über feuchte und trockene Waldböden bringen.
Von Sabine Strobl
Innsbruck –Wie sieht die Waldbewirtschaftung künftig in Tirol aus? Deutet doch vieles darauf hin, dass extreme Ereignisse wie Starkregen und Trockenperioden, welche die Waldbrandgefahr erhöhen, zunehmen. Das Innsbrucker Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beschäftigt sich mit dem Wandel von Gebirgsräumen. Anfang Juni startete die Arbeitsgruppe Fernerkundung und Geomatik unter der Leitung des Geografen Martin Rutzinger ein ambitioniertes Forschungprojekt (4DForest moisture Mapping), das die Feuchtigkeit im Boden der heimischen Wälder erfassen und die Baumarten und ihre Reaktion auf Trockenheit bestimmen helfen soll. Zudem werden die topografischen Bedingungen wie Steilheit der Hänge oder ihre Ausrichtung mit einfließen.
„Informationen über die Feuchtebedingungen des Bodens sind ein Schlüssel für die Waldgesundheit“, erklärt Rutzinger. Man soll flächendeckend feststellen können, wie sehr ein Waldgebiet der Trockenheit ausgesetzt ist. Die Toleranzgrenze für Trockenheit ist für verschiedene Baumarten unterschiedlich und beeinflusst auch die Schutzfunktion des Waldes vor Naturgefahren. „Der Knackpunkt ist, dass die Feuchtebedingungen im Wald bisher in Österreich nur punktuell gemessen wurden“, erläutert Rutzinger weiter. Die derzeitigen Daten reichen nicht aus, um detaillierte Aussagen über größere Gebiete treffen zu können.
Die Projektgruppe will jetzt mit Hilfe von Fernerkundung flächendeckende Daten liefern. Dafür stehen den Wissenschaftern wöchentlich neue Satellitendaten (zur Bestimmung der Feuchtigkeit im Boden) zur Verfügung. „Als Brückenschlag und Gegencheck“ kommen an ausgewählten Testflächen 3D-Laserscanning und Feldspektrometer, welche die ein- und ausgehende Strahlung messen, zum Einsatz. Rutzinger: „Während Satelliten zwar in kurzer Zeit umfassende Daten liefern, ist deren räumliche Auflösung meist limitiert. Bodengestützte Methoden hingegen erreichen eine sehr detaillierte räumliche Auflösung, können jedoch nur in größeren zeitlichen Abständen oder für kleine Gebieten eingesetzt werden.“ Die Kombination der Messmethoden ist also gefragt.
Das vom österreichischen Weltraumprogramm (ASAP) der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützte Projekt wird mit einem Budget von 380.000 Euro über 30 Monate laufen und mit der TU Wien und den Bundesforschungszentrum für Wald durchgeführt.
Projektmitarbeiter Magnus Bremer findet für die Handhabung der Datenflut einen anschaulichen Vergleich. Es gehe darum, all die Daten wie in einem Computerspiel bereitzustellen, um z. B. Simulationen durchzuführen. Fazit: „In den digitalen Methoden steckt ein großes Potenzial, aber die Anwendung ist noch schwierig.“
Umweltmonitoring wird wichtig. Derzeit laufen unter Innsbrucker Beteiligung auch Forschungsprojekte über Hangrutschungen in Tirol, Südtirol und im Trentino. In Südtirol werden Erosionen mit Blick auf Almflächen untersucht. Vom 16. Juli bis 19. Juli diskutieren bei der Innsbrucker Sommerschule für alpine Forschung junge Wissenschafter aus aller Welt über Trends in der Datenerfassung.