1826 Schüler in Tirol ohne Zeugnis
Die Zahl der außerordentlichen Schüler in Tirol ist im Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen.
Von Marco Witting
Innsbruck –Für die Schüler gibt es dieser Tage nur ein paar wichtige Themen: Wohin geht der Wandertag in der letzten Schulwoche? Was tut man in den Ferien? Und wie sieht das Zeugnis aus? Doch für 1826 Schüler in Tirol gibt es keine Noten für das zu Ende gehende Schuljahr. Sie wurden im vergangenen Jahr als so genannte außerordentliche Schüler geführt. Und diese Zahl bedeutet einen absoluten Rekordwert.
Zumeist sind das Schüler, die über nicht genügend gute Deutschkenntnisse verfügen, um dem Unterricht zu folgen bzw. benotet zu werden. Lagen diese Zahlen vor einigen Jahren noch bei rund 500 Schülern, so sind sie in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen. Mitte 2015 waren es 863 Kinder, im Vorjahr 1234 und heuer insgesamt eben 1826 außerordentliche Schüler. Das Gros fällt dabei auf die Pflichtschulen – sie stellen heuer 1642 (ein Plus von über 500 zum Vorjahr) Kinder und Jugendliche. In den weiterführenden Schulen drückten in den vergangenen Monaten 184 außerordentlich geführte Schüler die Bänke.
Die Erklärung dieser Zahlen liege auf der Hand und habe mit der Migrationsentwicklung zu tun. Aber: Schüler, die in so genannten Übergangsklassen waren, sind in diesen Zahlen nicht aufgeführt. Für Lehrer und Schulen eine große Herausforderung. Speziell, wenn sehr viele dieser Schüler, die anfangs nichts verstehen, in einer Klasse sitzen. Eine Entscheidung darüber obliegt aber immer dem Schulleiter.
Bernhard Deflorian vom Landesschulrat für Tirol bestätigt die rechtliche Situation in solchen Fällen. „Laut Gesetz dürfen Pflichtschüler höchstens für die Dauer von zwölf Monaten so den Unterricht besuchen. Das kann um weitere zwölf Monate verlängert werden.“ Bei Pflichtschulen müssen die Schüler dann als reguläre Schüler geführt werden. Man geht aber davon aus, dass in zwei Jahren die Kinder so weit Deutsch gelernt haben, dass dies ohnehin kein Problem ist. In weiterführenden Schulen ist ein solcher Status bis zur Matura rechtlich möglich. Das gibt es aber nur in Einzelfällen.
Vor diesem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass in einem bzw. in zwei Jahren die Zahl der außerordentlichen Schüler wieder sinkt. Gesunken ist die Zahl der asylwerbenden Schüler in Tiroler Pflichtschulen – von 853 auf 739. Das wird damit erklärt, dass die Kinder, sobald sie einen Aufenthaltstitel in Österreich erhalten, nicht mehr in dieser Statistik aufscheinen.
Und: Natürlich stammen nicht alle außerordentlichen Schüler von Flüchtlingsfamilien. Es sind auch Kinder von anderen EU-Bürgern darunter. Eine Statistik über die einzelnen Herkunftsländer lag beim Landesschulrat nicht auf.