Oberösterreich

Doppelmord in Linz: Verdächtiger hatte politisches Motiv

Einsatzkräfte am 30. Juni am Tatort in Linz.
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Die Leichen waren am Freitag bei einem Brand entdeckt worden. Der mutmaßliche Täter hatte bei einem Liefertermin am Freitag unter seiner Schürze einen Gurt, einen Holzstock, ein Messer und einen Benzinkanister versteckt.

Linz – Nach dem gewaltsamen Tod eines betagten Ehepaars am Freitagvormittag in Linz haben die Einvernahmen des Verdächtigen ein politisches Motiv zutage gefördert. Der 54-jährige Muslim aus Tunesien soll laut Polizei viele schlechte Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren in Österreich gemacht hatte, auf die FPÖ projiziert haben.

An seinen Opfern habe er ein Exempel statuieren wollen, sagte der oberösterreichische Landespolizeidirektor Andreas Pilsl am Samstag in einem Hintergrundgespräch. Der unter Doppelmord-Verdacht stehende Mann, der seit 1989 in Österreich lebt, war 2012 nach einer Anzeige eines lokalen FPÖ-Mandatars wegen Tierquälerei verurteilt worden. Von da an machte er die FPÖ für alle negativen persönlichen Erfahrungen verantwortlich, etwa wenn er seiner Ansicht nach beim AMS schlecht behandelt wurde oder als ihm einmal die Mindestsicherung gekürzt wurde.

Der unter Doppelmord-Verdacht stehende Tunesier soll davon ausgegangen sein, dass seine Opfer - ein 87 Jahre alter Mann und seine um zwei Jahre jüngere Ehefrau - ein Naheverhältnis zur FPÖ hatten. Ein solches war jedoch nicht gegeben, erklärte dazu der oberösterreichische Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.

Der 54-jährige soll laut Polizei wenige Tage vor der Bluttat den Entschluss gefasst haben, an der Gesellschaft ein Exempel zu statuieren und sich für erlittenes Unrecht zu rächen. Er hatte im Geschäft seiner Lebensgefährtin, einer österreichischen Konvertitin, als Lebensmittellieferant mitgearbeitet. Zweimal wöchentlich brachte er Waren zu dem betagten Ehepaar.

Beim Liefertermin am Freitag hatte er unter seiner Schürze einen Gurt, einen Holzstock, ein Messer und einen Benzinkanister versteckt. Den vorläufigen Ermittlungsergebnissen zufolge erdrosselte er zunächst die arglose 85-jährige Frau, anschließend tötete er ihren um zwei Jahre älteren Mann mit dem Messer und dem Stock. Dann legte er Feuer. Wenig später entdeckte die Feuerwehr die Leichen der beiden Opfer.

Vor Geständnis „brav“ angestellt

Kurz nach der Tat stellte sich der mutmaßliche Täter selbst der Polizei. In seiner polizeilichen Einvernahme sagte der Tunesier, er habe zuerst überlegt, sich in der Donau zu ertränken, dann aber beschlossen, sich zu stellen. Als er am Freitag in die Polizeiinspektion ging, musste er zunächst warten. Er stellte sich brav an und legte, als er schließlich an die Reihe kam, ein Geständnis ab.

Nach der Tat am Freitagvormittag hatte der Täter ein Feuer gelegt, wohl um die Spuren zu verwischen. Um 9.44 Uhr meldete ein aufmerksamer Nachbar bei der Feuerwehr, dass er im Einfamilienhaus des 87-jährigen und seiner 85-jährigen Frau einen Knall gehört habe und vermute, dass es zu einer Verpuffung gekommen sei. Als Rettung und Feuerwehr eintrafen und die Türe öffneten, brannte es in der Küche. Wenig später entdeckten die Einsatzkräfte die Leichen der beiden Bewohner. m(APA)